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AhrSteig blau in 2 Etappen: Tag 1

Der Plan: AhrSteig blau in zwei Tagen.

Von offizieller Seite ist der blaue Abschnitt des AhrSteigs (von Blankenheim bis Kreuzberg) in vier Etappen aufgeteilt. Die beiden ersten (von Blankenheim nach Freilingen, dann von Freilingen bis Aremberg) sind jeweils knapp über elf Kilometer lang – für den ambitionierten Wanderer also Spaziergänge. Die beiden verbleibenden Etappen (von Aremberg nach Insul (19,1 km) und weiter von Insul nach Kreuzberg (17,4 km)) sind da schon etwas anspruchsvoller und entsprechen schon eher den Vorstellungen des oben genannten Wanderers.

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Start zum AhrSteig blau in Blankenheim (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Was macht aber der, der nur ein Wochenende Zeit hat und zudem noch mit der Bahn anreisen will. Was anderes macht nämlich kaum Sinn, da das weitgehende Fehlen eines ÖPNV die An- und Abfahrt mit einem eigenen Fahrzeug fast schon verbieten, es sei denn, man ist bereit, gehörig in die Tasche zu greifen, um am Ende der Reise mit dem Taxi zurück zum Fahrzeug in Blankenheim zu gelangen. Die Lösung für zwei Tage heißt also: Mit dem Zug früh bis Blankenheim Wald und am Ende der Tour mit dem Zug von Kreuzberg zurück nach Hause. Aber kann das funktionieren? Es funktioniert! Wie, dass will ich Dir jetzt erzählen.

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Der Bahnhof von Gerolstein – für mich nur Zwischenstation – ist sicher nciht der schönste (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Blankenheim (bzw. die Bahnstation Blankenheim-Wald) erreicht man mit dem Eifel-Express, der im Stundentakt zwischen Köln und Trier verkehrt. Aber Achtung: Nicht jeder dieser Züge hält auch in Blankenheim-Wald. Es gibt nämlich eine schnelle Linie, die nur an den wichtigsten Stationen hält (da gehört Blankenheim-Wald nicht dazu) und eine langsame Verbindung, die an jedem einzelnen Haltepunkt anhält. Achte also darauf, dass der Zug, mit dem Du anreist, auch in Blankenheim-Wald hält. Ansonsten musst Du halt eine Station vorher aussteigen und den nächsten Zug abwarten.

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Nein, nicht erstklassig, leidglich ein Hinweis auf Gleis 1 (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Von Blankenheim-Wald bis zum Beginn des AhrSteigs im Zentrum von Blankenheim sind es aber nochmals vier Kilometer. Diese lassen sich am günstigsten und am einfachsten mit der Buslinie 770, dem sogenannten Wanderbus, bewältigen. Angaben zu den Fahrzeiten findest Du auf der AhrSteig-Seite. Dass diese Linie existiert, habe ich erst vor Ort erfahren, bis dato ging ich davon aus, mit dem Anrufsammeltaxi fahren zu müssen, das man aber eine halbe Stunde vor der Ankunft in Blankenheim-Wald informieren muss.

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Traumhaft oder doch eher Trauma: Werbung für Urlaub mit der Bahn (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Wie soll ich mir die Strecke einteilen?

Wie aber die Tour planen: Tour 1 und 2 zusammenzufassen zu einer Tagesetappe dürfte für die meisten regelmäßigen Wanderer kein Thema sein. Dann bleiben aber über 36 km für den zweiten Tag. Das ist happig, Aber wer sagt, dass wir dieser Aufteilung folgen müssen. Ich rate davon ab. Wer 22 Kilometer schafft, der schafft auch noch 4-5 km mehr. Dann ist er nämlich in Eichenbach, wo auch die Unterkunft nur halb so teuer ist (kanpp über 40 Euro mit Frühstück) wie oben in Aremberg (laut Website etwa 80 Euro). Damit hat man am ersten Tag ein Pensum von ca. 27-28 Kilometern und eine etwas längere Etappe am zweiten Tag von 31 bis 32 Kilometern. Das ist zu schaffen. Allerdings: Für mich war es am Ende schon fast zu viel.

Es geht los: Start am Samstag in der Frühe

Ich starte am Samstag sehr früh in Bitburg. Und der erste Eifel-Express, der hier anhält, ist natürlich der schnelle, der nicht in Blankenheim anhält. Also steige ich in Gerolstein um. In Gerolstein versuche ich, das Anrufsammeltaxe (AST) vorzubestellen. Leider klappt das nicht! Warum? Weil ich bei dem Auswahlmenü, das man zunächst erreicht, und in dem man die Region auswählen soll, in der man unterwegs ist, keinen Auswahlpunkt bezüglich des Kreises Ahrweiler fand. Erst später fällt mir ein, dass Blankenheim ja zu NRW gehört und zwar zum Kreis Euskirchen. Mein Fehler. Aber es sollte sich als glückliche Fügung erweisen.

Beginn der ersten Etappa des Ahrsteig blau am Schwanenweiher in Blankenheim

Ich starte nicht an der Ahrquelle, sondern am Schwanenweiher (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Das Glück ist mir hold!

Also auf Gut Glück weiter nach Blankenheim. Dort am Bahnhof schaue ich mich um. Fast im selben Augenblick fährt das AST vor. Auf meine Frage, ob er mich mitnehmen kann, fragt er, ob ich mich angemeldet habe. Leider nein. Er vertröstet mich: Vielleicht kann er mich trotzdem mitnehmen. Dann verschwindet er. Dann fährt ein anderer Bus vor. Linie 770. Ich schaue auf das Haltestellenschild. Das sagt mir, dass der Bus den Eifelsteig anfährt. Trotzdem frage ich beim Fahrer nach, wo er hält. Er hält auch in Blankenheim am Rathaus. Perfekt. Ich löse mein Ticket (2,40 Euro) und setze mich in die erste Reihe. Nach und nach trödeln noch vier oder fünf andere Wanderer ein, die wollen aber alle zum Eifelsteig.

Gegen 10 Uhr bin ich am Start

Kurz vor 10 Uhr bin ich in Blankenheim auf dem AhrSteig unterwegs. Ich spare mir den Weg ins Zentrum zur Ahrquelle, die kenne ich zur Genüge. Also direkt los, bei hellem Sonnenschein, an der Ahr entlang und dann später den ersten Berg hoch.

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Die erste Etappa am AhrSteig blau ist über weite Strecken eine Waldetappe (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Hier im Wald sind zwei aufeinanderfolgende Wegweiser aus dem Boden gerissen und lieben im Gesträuch. Den ersten kann ich wieder einsetzen, beim zweiten finden ich das Loch nicht, aus dem er herausgerissen wurde. Ich verständige die Tourist-Info in Blankenheim, denn ausgerechnet dieser zweite steht an einer Wegkreuzung direkt am Waldrand, wo vier Wege aufeinandertreffen. Und da am ganzen Wochenende schönstes Wanderwetter herrschen soll, ist es durchaus vorstellbar, dass hier der eine oder andere vorbeikommende Wanderer sich fragt, wie es wohl weitergeht.

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Als Einstieg perfekt: Die erste Etappe führt hauptsächlich durch Wald, und der weiß zurzeit mit PIlzen zu begeistern (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Zur Einstimmung: Ganz viel Wald

Der Weg bleibt am Waldrand und führt jetzt wieder zu Tal. Gleich geht es wieder in den Wald hinein. Und da wird der Weg die meiste Zeit bleiben. Das helle Sonnenlicht führt zu verzauberten Lichtspielen im bunten Herbstlaub. Mal wieder ärgere ich mich über meine Kamera, die diesen Kontrastumfang einfach nicht bewältigt. Statt hellen Sonnenlichts gibt es da meist nur weiße Flecken auf dem Bild. Da ist das selbst die einfache Kamera des iPhones besser. Leider hat diese kein Zoom. Aber die eine oder andere Nahaufnahme damit gelingt dann doch.

Ich habe den Wald ganz für mich alleine auf dieser Etappe (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Ich habe den Wald ganz für mich alleine auf dieser Etappe (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Auf schmalem Natursteig geht es so durch den herbstlichen Wald. Viele Erinnerungen an frühere Wanderungen gehen mir hier durch den Kopf. Das ist die richtige Einstimmung auf den AhrSteig für den Naturliebhaber. Einfach mal gehen, durch den Wald, ohne viel Ablenkung. Ein weiteres Mal führt der Weg ins Freie auf eine Hochfläche, hier dann rechts hinab bis zur Straße nach Reetz. Über diese hinüber und weiter im Wald, welche Wohltat. Nichts als das Rauschen der Blätter im Wind und – ja das sei nicht verschwiegen – das entfernte Dröhnen von Motorrädern unten im Tal.

Es verspricht, einer wunderschöner Tag zu werden (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Es verspricht, ein wunderschöner Tag zu werden (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Offiziel habe ich die erste Etappe des AhrSteig blau hinter mir.

Am Freilinger See vorbei geht es weiter hinauf bis zum Ortsrand, dann aber auf einem Wirtschaftsweg am Ort vorbei Richtung Schnellstraße. Über diese vorsichtig hinüber und dann nach links bis ich den Einstieg finde, der mich nach zwei, drei Anstiegen auf den Hühnerberg bringt. Offiziell bin ich jetzt auf der zweiten Etappe. Der Hühnerberg ist gut besucht, nicht von Hühnern, sondern von Wanderern. Deshalb halte ich mich nicht lange auf. Der Blick ist fantastisch, aber zu viele Leute, das mag ich nicht. Über die offene Wiesenlandschaft wandere ich in Richtung Waldrand.

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Oberhalb von Lommersdorf geht es durch die offene Wiesenlandschaft (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Langeweile macht sich breit

Und hier fängt dann ein langer, langer Marsch auf langweiligem Waldweg an. Es handelt sich um eine alte römische Straße, nur merkt man davon gar nichts mehr. Nachdem ich die schmale Fahrstraße von Lommersdorf nach Aremberg überquert habe, wird der Weg ein klein wenig interessanter. Für mich ist diese offizielle zweite Etappe die langweiligste des ganzen AhrSteigs. Einzig der Hühnerberg zu Beginn und der Aremberg am Ende der Etappe geben diesem Teilstück doch eine gewisse Würze.

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Vom Hühnerberg bietet sich mir ein kolossales Panorama  (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Enttäuschung in Aremberg

In Aremberg spüre ich, dass ich einige Kilometer in den Knochen habe. Aber es ist mir nicht vergönnt, in der Burgschänke meinen Durst zu stillen. Heute werden nur Gäste bedient, die Tische reserviert haben. Es ist nicht das erste Mal, dass ich unverrichteter Dinge hier wieder abziehe. Gott sei Dank habe ich ja in Eichenbach ein Zimmer reserviert.

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Das Gasthaus zum Wiesengrund: Heiß ersehntes Etappenziel auf dem AhrSteig blau. Ein gutes Bett, hervorragendes Essen, aber kein Handyempfang: Was will man mehr (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Willkommen in Eichenbach

Aber zunächst steige ich vom Ort Aremberg hinauf zum alten Burgberg mit seinen Ruinen, die im Wald nur schwer auszumachen sind. Trotz des Bleis in den Beinen erkunde ich die Hänge rund um den Aremberg. Aber langsam geht meine Kraft zu Ende. Also wende ich mich Richtung Eichenbach. Es geht stets bergab. Vier Kilometer können erstaunlich lang sein. In der Pension Wiesengrund in Eichenbach sieht man mir meine Erschöpfung wohl an. Schnell habe ich den Schlüssel in der Hand und verschwinde auf meinem Zimmer. Schnell bin ich unter der Dusche und schnell bin ich danach auf dem Bett eingeschlafen, wo ich mich doch nur ein paar Minuten ausruhen wolle. Als ich wach werde, friere ich.

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Der Anstieg zum Hühnerberg ist eine erste Kraftprobe für mcih (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Das nächste, das ich erfahre, ist, dass es hier keinen Handyempfang gibt. Die Bedienung – danach gefragt – meint, ich solle es mal draußen, weiter oben bei der Kapelle probieren. Ich setze mich lieber ins Restaurant, wo der aufmerksame Wirt schon längst einen Platz für mich reserviert hat. Es ist Samstagabend und obwohl Eichenbach doch einigermaßen abgelegen ist, recht viel los. Ein großer und ein etwas kleinerer daran angrenzender Saal sind fast komplett besetzt. Die Angestellten haben alle Hände voll zu tun. Aber der Laden brummt, alles läuft rund, ein Kennzeichen für ein gut eingespieltes Team. Hier gibt jeder sein Bestes, keiner arbeitet gegen seine Kollegen.

Danach falle ich immer noch müde ins Bett und schlafe tief und fest bis zum nächsten Morgen.

Nähere Infos zum Ahrsteig und seinen Etappen findest Du hier: www.ahrsteig.de

 

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