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Mit WordPress-Bloggertexten bei der VG Wort kassieren

Ich gebe zu, ich war als langjähriges Mitglied der VG Wort selbst überrascht, als ich dieser Tage erfuhr, dass man seine veröffentlichten Bloggertexte auch bei der VG Wort (Verwertungsgesellschaft Wort) melden kann. Wie das geht, liest Du hier.

Die VG Wort ist im Textbereich (geschriebenes Wort), das was die GEMA im Musikgeschäft ist. Sie vertritt die finanziellen Interessen der Urheber. Klassischerweise sind Autoren von Büchern oder Zeitungen und Zeitschriften (egal ob Belletristik oder Sachbuch) Mitglieder in der VG Wort.

Erst anmelden

Dazu müssen sich Urheber aber aktiv dort anmelden, die VG Wort kommt nicht auf den Autor zu. Dies geht aber relativ einfach. Man registriert sich auf der Seite der VG Wort (www.vgwort.de) als Urheber. Dies erfolgt über den blau unterlegten Menüpunkt T.O.M. (Texte Online Melden) ganz rechts in der Spalte. Seit Anfang 2017 ist es erforderlich, einen schriftlichen Wahrnehmungsvertrag abzuschließen. Bis dahin war es für bestimmte Urhebergruppen ausreichend, sich bei der VG Wort zu registrieren.

Das heißt noch mals ausdrücklich: Für den Bereich der Blogbeiträge – bei der VG Wort heißt das: METIS (Texte im Internet) – ist es auch zwingend nötig, einen Wahrnehmungsvertrag abzuschließen. Den haben klassischerweise Buchautoren mit der VG Wort abgeschlossen.

Für Blogger gibt es zwei verschiedene Arten der Ausschüttung

Zu den Bedingungen: Es gibt zwei Arten von Ausschüttungen bei METIS (Texte im Internet).

Die Sonderausschüttung

Die einfachere Variante ist die Sonderausschüttung. Hier kann man als Blogger Webseiten angeben, auf denen man Texte veröffentlicht, die aber nicht zum eigenen (zu den eigenen) Blog(s) gehören. Ich zum Beispiel schreibe regelmäßig für die Website www.wanderreporter.de. Dies gebe ich bei der VG Wort unter dem Menüpunkt METIS (Texte im Internet)/Sonderausschüttung an. Das passiert pauschal ohne nähere Angaben über Textmenge oder Anzahl der Aufrufe. Gemeldet werden kann jeweils bis zum 31. Januar für das Vorjahr.

(Man kann auch die Variante mit Zugriffszählung (siehe folgender Abschnitt) auf Beiträge auf fremden Seiten wählen, aber dann muss der Seitenbetreiber damit einverstanden sein, dass auf seiner Seite in dem entsprechenden Beitrag eine Zählmarke installiert wird.)

Die reguläre Ausschüttung mit Zugriffszählung

Komplizierter, aber möglicherweise ertragreicher ist die reguläre Ausschüttung für Texte im Internet. Um daran teilzunehmen, ist aber ein immer noch aufwendiges Verfahren notwendig, auch wenn sich das durch entsprechende WP-Plugins inzwischen vereinfacht hat (dazu gleich mehr).

Dies hat den Hintergrund, dass die Texte, die hier gemeldet werden, nach der Anzahl der Aufrufe bezahlt werden.

Erste Bedingung: Deine Texte müssen mindestens 1800 Zeichen (pro Beitrag) lang sein. Ausnahme: Du schreibst Gedichte, die Du auf Deinem Blog veröffentlichst, die können auch kürzer sein.

Zweite Bedingung: Die Texte müssen im Kalenderjahr mindestens 1500 mal aufgerufen werden. Für Texte, die länger als 10.000 Zeichen sind, reichen 750 Aufrufe. Diese Zahlen gelten für das Jahr 2016. Sie werden jedes Jahr neu festgesetzt, und zwar erst im November für das laufende Jahr (das dann ja fast schon zu Ende ist). Erfüllst Du mit Deinen Texten die genannten Kriterien, bekommst Du zwischen 10 und 20 Euro pro Text (je nach Zahl der Aufrufe). Auch die Höhe der Auszahlung wird jährlich neu festgesetzt.

Wie werden die Texte bei der regulären Ausschüttung kontrolliert: Damit die VG Wort sehen kann, ob Du die Bedingungen erfüllst, stellt sie Zählmarken zur Verfügung. Zählmarken sind ähnlich wie Cookies, kleine Codeschnipsel, die in Deinem Text hinterlegt werden. Und das macht die Sache ein wenig aufwendig.

Ich will das jetzt mal schematisch darstellen.

1) Du meldest Dich bei der VG Wort an (siehe oben).

2) Du lädst Dir für Deine WordPress-Installation ein entsprechendes Plugin herunter (ich empfehle Prosodia VGW OS). Nach der Installation und Aktivierung erscheinen zwei Aufforderungen durch das Plugin. Das eine ist die Option, Deine Beiträge im Hinblick auf die Zeichenanzahl zu berechnen. Die zweite beinhaltet datenschutzrechtliche Hinweise und die Aufforderung, diese in Deinem Impressum bzw. in Deinen Datenschutzhinweisen aufzunehmen.

Wichtiger Hinweis:

Übrigens: Unter dem Plugin-Menü von Prosodia findest Du auch einen Punkt Hilfe/Anleitungen. Wenn Du den anklickst, wirst Du auf die Hilfeseiten von Prosodia (http://prosodia.de/prosodia-vgw-os/) geleitet, wo der Ablauf der Einrichtung auch noch mal detailliert und anhand von Screenshots erklärt wird.

Zum Zeichenzählen folgst Du einfach der Aufforderung Zeichenzahl hier neu berechnen. Beim Klick darauf erscheinen eine Seite Komplexe Operationen und Einstellungen mit ein paar Unterpunkten, von denen für Dich erstmal nur der Punkt Zeichenanzahl aller Beiträge neu berechnen interessant ist. Das Zählen geht relativ fix. Bei der Aktion erscheint auch ein Popup-Fenster, dass Dir sagt, wieviele Beiträge gezählt werden. Nach dieser Aktion findest Du unter dem WP-Menü Beiträge in der letzten Spalte rechts für jeden Beitrag die gefundene Zeichenzahl mit dem entsprechenden Hinweise, ob er genug Zeichen hat. Du kannst auch statische Seiten zählen lassen und genau wie Beiträge behandeln.

Nun gehtst Du wieder auf die Seite der VG. Nun lädst Du Dir unter dem Stichwort Metis (Texte im Internet)/Zählmarken herunterladen/ die benötigte Anzahl von Zählmarken herunter. Den Menüpunkt findest Du, wenn Du Dich wieder über das blaue T.O.M.-Feld (siehe oben) angemeldet hast. Maximal 100 Zählmarken kannst Du pro Download herunterladen, wobei die Anzahl der Zählmarken nicht der Zahl der Beiträge entsprechen muss, die zur Meldung bei der VG Wort von der Zeichenzahl her geeignet. Wenn Du mehr als 100 Zählmarken brauchst, kannst Du einen zweiten Download machen, wenn Du nur sagen wir 86 Marken brauchst, kannst Du trotzdem 100 herunterladen oder aber auch die genaue Menge, die Du brauchst. Wähle hierbei die Option als CSV-Datei herunterladen, dann ist der weitere Vorgang einfacher.

Nur nicht verzagen

Nachdem Du die Datei heruntergeladen hast, musst Du Sie noch in WP importieren. Dies geschieht über den Unterpunkt Import im Menu des Prosodia-Plugins. Dort solltest Du den ersten Punkt auswählen: Zählmarken aus CSV-Daten wählen. Dazu die heruntergeladene Datei auswählen und anschließend auf Zählmarken importieren anklicken.

Nun gehst Du nun wieder in Dein WP-Installation zu dem Menüpunkt Beiträge/Alle Beitrage. Versehe nun alle Beiträge, die über die ausreichende Textemenge verfügen, mit einem Häkchen ganz vorne links erste Spalte. Hast Du die Beiträge mit Häkchen versehen, wählst Du über die Schaltfläche »Aktion« den Unterpunkt Zählmarke zuordnen. Auch das geht recht fix, danach erscheint für den jeweiligen Beitrag ganz rechts die Meldung »Zählmarke zugeordnet«.

Und bitte gut auf das Folgende aufpassen:

Achtung: Je nach gewählter Darstellungsart für die Auflistung Deiner Beiträge (hier kannst Du ja auswählen, wie viele Deiner Beiträge auf einer Seite aufgelistet werden) musst Du den Schritt entsprechend oft wiederholen, da der Import immer nur für die auf einer Seite gelisteten Beiträge erfolgt.

In einem nächsten Schritt musst die ganze Prozedur für Deine statischen Seiten wiederholen, falls dort die Textmengen pro statischer Seite ebenfalls die Mindestgrenze erreichen.

Das Plugin erkennt, welche Zählmarken zugeordnet sind und welche nicht. Auch für den Fall, dass am Ende noch welche übrig sind, die Du bei zukünftigen Blogbeiträgen verwenden kannst.

Fertig! Und jetzt?

Und das war es jetzt auch schon. Zumindest fürs Erste. Die Zählmarken senden jedesmal, wenn einer Deiner Beiträge aufgerufen wird, einen Zählimpuls an die VG Wort (deshalb auch die datenschutzrechtlichen Hinweise, die Du natürlich schon in Deine Seite integriert hast). Die VG Wort teilt Dir beizeiten mit, ob und welcher Deiner Beiträge die erforderliche Anzahl an Mindestaufrufen erreicht hat.

Danach ist es wieder an Dir, aktiv zu werden. Es gibt bestimmte Meldefristen, zu denen die Beiträge dann für die Ausschüttung angemeldet werden müssen.

Die Meldefristen liegen jeweils im Folgejahr, in der Regel musst Du ab Januar die Beiträge, die laut VG Wort für das Vorjahr die Mindestaufrufzahlen erreicht haben, zur Ausschüttung anmelden. Das passiert nicht automatisch! Du kannst also ab Januar 2017 innerhalb der mitgeteilten Meldefrist nur durch das Zählsystem qualifizierte Beiträge aus dem Jahr 2016 anmelden. Weiter rückwirkend funktioniert das leider nicht.

So, ich hoffe, das war einigermaßen verständlich. Ansonsten einfach nachfragen oder die Prosodia-Hilfe (wie oben beschrieben) benutzen. Detaillierte Hinweise zur Mitgliedschaft in der VG Wort findest Du eben dort auf deren Internetauftritt.

Kleine Ergänzung am 15.1.2016: In einem neuen Artikel findest Du jetzt beschrieben, wie Du als Blogger auch mit Deinen (eigenen) Fotos an der Ausschüttung der VG Bildkunst teilnehmen kannst. Den Artikel findest Du hier!

10 Kommentare

  1. Jetzt habe ich doch noch eine Frage. Hast du alle Artikel im Blog mit den Zählmarken versehen? Also auch ältere? Kann ja sein, dass die in 2017 noch per Google-Suche gefunden werden. Oder lohnt sich die Mühe nicht? Ich habe die Zählmarken jetzt nur ab 2016 zugeordnet. Danke für deine Mühe. LG Heidi

  2. Hallo Hans Joachim, wie ist das eigentlich mit den angelegten Seiten? Da kann ich ja auch eine Zählmarke zuordnen, aber wie wird da das Datum gewertet? Die Seite ist ja vielleicht schon in 2015 angelegt worden. Oder muss ich das Datum vor jeder Meldung noch ändern? LG Heidi

  3. Hallo Hans Joachim, dein Artikel hat mir sehr geholfen und ich habe gerade alle Zählmarken zugeordnet etc. Leider hat sich die VG Wort mit dem Vertrag viel Zeit gelassen, so dass ich im Januar nicht mehr für 2016 melden konnte. Aber egal. Dann eben für die Zeit danach.

    Du hast es toll beschrieben und ich bin absolut klasse damit klargekommen. Vielen Dank.

    • LIebe Heidrun,

      danke für Deine nette Rückmeldung. Also: Das Datum der Beiträge bzw. auch der festen Seiten spielt überhaupt keine Rolle. Du brauchst auch nicht deren Datum zu ändern. Es kommt ja nur darauf an, wie oft sie im aktuellen Zähljahr gelesen werden. Auch ich habe alle Seiten, soweit die Texte darauf genügend Zeichen haben, mit den Zählmarken versehen.

      Ich habe mir noch nicht Deinen Blog angeschaut, da ich gerade auf Deinen Kommentar gestoßen bin. Aber es liegt ja auch an Dir, ältere Beiträge noch einmal zu promoten. Ich mache das so, dass ich bei gegebenem Anlass einen entsprechenden Link auf meiner Facebook-Seite veröffentliche. Dann wird er durchaus noch das eine oder andere Mal angeklickt.

      Als ich mich seinerzeit angemeldet habe bei der VG Wort (1996), war ich auch gerade knapp über die Frist. Mir hat man damals aber die Möglichkeit eingeräumt, auch nach Fristablauf meine Meldungen noch vorzunehmen. Andererseits: Je nachdem, wann Du die Zählmarken eingerichtet hast, ist ja das Jahr 2016 eh nicht mehr ganz gezählt worden. Oder hast Du Beiträge, die in wenigen Tagen die Mindestaufrufzahlen erreichen? Wenn ja, verrate mir Dein Geheimnis.

      Schöne Grüße

      Joachim

  4. Pingback: Mit Bloggerfotos bei der VG Bildkunst Geld verdienen - Anders Wandern

  5. Brauche ich dazu ein Plug-in? Da ich die gratis Version von WordPress nutze, kann ich ja keine Plugins einspielen. Hmpf. :-/

    • Liebe Ilona, gerade habe ich versucht, Deinen Blog ein wenig zu studieren. Aber entweder ist das Netz hier sehr ausgelastet, weil das ganze Dorf wegen des Schnees zu Hause sitzt und das Internet frequentiert, oder Dein Deine Seite ist etwas langsam. Aber ich vermute, das erste ist der Fall. Ja, wenn Du auf der Gratisversion von WordPress kein Plug-in installieren kannst, dann weiß ich auch nicht, wie das gehen kann. Es gab schon einige Rückmeldungen im Rahmen der Diskussion dieses Beitrags auf FB, die besagen, dass die Anmeldung auch händisch möglich ist, aber das scheint saumäßig aufwendig zu sein. Aber google doch einfach mal danach. Anmelden kannst Du Dich auf jeden Fall. Die Frage ist immer: Lohnt der Ertrag den Aufwand. Du bekommst ja pro Artikel, der die Mindestaufrufzahl im jeweiligen Jahr erreicht, maximal zwischen 10 und 20 Euro. Sich dafür Stunden hinzusetzen, ist vermutlich nur frustig. Dann lieber in der Zeit irgendwo einen leckeren Espresso trinken. Schöne Grüße, Joachim

  6. Danke für den Anstoß, jetzt habe ich das auch endlich mal ins Rollen gebracht 😉 Steht schon seit Monaten auf meiner To-Do-Liste. Kurze Info: Die Unterlagen müssen auch bei einfacher Registrierung (ohne Wahrnehmungsvertrag) per Post an die VG Wort geschickt werden. Erst dann wird man freigeschaltet und kann Zählmarken herunterladen.

    Viele Grüße!
    Anna

  7. So, habe das zwar schon länger im Hinterkopf gehabt, aber dank deinem Artikel jetzt auch endlich in die Tat umgesetzt 😉 – das war der nötige Motivationsschub für mich…

    Zu ergänzen hätte ich noch, dass die papierne “Meldesystemregistrierung” nur mit den ausgefeiltesten Origami-Künsten in einen Standardbriefumschlag passt. Sonst verschwindet entweder der Ort unterm Adressfenster oder der Briefumschlag geht nicht richtig zu… 😉

    Das nur als Praxistipp…

    LG
    SvL

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