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Wanderblogger am Rennsteig

Oberhof am Rennsteig. Weit schweift der Blick über die mit endliosen Nadelwäldern bedeckten Kuppen des Thüringer Waldes (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Meine erste Nacht in Oberhof am Rennsteig

Ich werde wach. Es ist ruhig. Die Gäste liegen alle in ihren Betten. Wäre nicht die Beleuchtung des Hotels, wäre es wohl stockdunkel draußen. Am Horizont zucken Blitze, das dumpfe Grollen entfernter Donnerschläge dringt schwach an mein Ohr. Vom Alkohol, den ich vor dem Zubettgehen getrunken habe, merke ich nichts mehr.

Die Ruhe ist traumhaft, wäre nicht das Gewitter, das mich ein wenig in Unruhe versetzt. Wie so oft in den vergangenen Wochen wäre ich wohl auch ohne Gewitter wachgeworden. Aber es ist heute Nacht eine besondere Atmosphäre.

Thüringer Wald, Oberhof am Rennsteig, Nadelwald, Dunkelheit, Nebel, Horizont.

Als es langsam hell wird, ziehen Nebelschwaden aus dem Tal hoch Richtung Kamm des Thüringer Waldes (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Es liegt nicht nur daran, dass ich in Oberhof bin, und ich mich frage, wie wohl das Wetter für die heutige Wanderung wird. Es ist auch im Zimmer dunkel, außer der Beleuchtung des Notebook-Bildschirms gibt es keinerlei Licht. Erst einmal liege ich lange wach und denke über die Begegnungen des vergangenen Tages nach.

Mit Martina, die das Treffen hier im Hotel im Namen der H-Hotelkette organisiert hat (dazu später mehr), bin ich von Görgeshausen (bei Diez) nach Oberhof gefahren. Kurz vor dem Ziel haben wir uns »An der Wegscheide« die erste echte Thüringer Bratwurst gegönnt.

Oberhof, Rennsteig, Bratwurst, das sind die Markenzeichen von Oberhof

Bratwurst die erste. Martina freut sich darüber genauso wie ich (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Wir treffen früher ein als erwartet, sind deshalb die ersten, außer Daniela, die schon am Vortag angereist ist. Neben mir sind noch 7 andere Blogger eingeladen, das Hotel, den Ort Oberhof und den Rennsteig, Deutschlands wohl bekanntesten Fernwanderweg, kennenzulernen. Die anderen sind zu diesem Zeitpunkt also noch unterwegs.

Treff Hotel Panorama Oberhof. Einer der beiden Türme des Hotels, die wie Sprungschanzen aussehen.

Treff Hotel Panorama Oberhof. Was für ein komplizierter Name. Aber es beeindruckt schon mächtig mit seien beiden Türmen (Foto Hans-Joachim Schneider)

Die Fahrt von Görgeshausen nach Oberhof hat mich ein wenig schläfrig gemacht. Ich versuche noch ein wenig zu schlafen, denn auch schon in der Nacht vorher bin ich früh wach gewesen. Aber es gelingt mir nicht, einzuschlafen, so fasse ich den Entschluss, mir Oberhof anzuschauen. Da das Hotel noch vor dem Ortseingang inmitten des Waldes liegt, habe ich bisher von Oberhof wenig gesehen. Natürlich habe ich schon einiges gehört, aber habe keine rechte Vorstellung davon , wie es hier aussieht. Aber die Bilder in meinem Kopf werden gespeist von meinen früheren Besuchen hier in den neuen Bundesländern, vor allem von einem Winterurlaub in Schierke am Brocken. Aber das ist schon einige Jahre her.

typisches Haus in Oberhof am Rennsteig. Mit künstlichen Schindeln gedeckt, die von Haus zu Haus in unterschiedlichen Farben gestrichen sind.

Die typische Bauweise hier hat viel Ähnlichkeit mit der im Harz (Foto: Hans-joachim Schneider9

So falsch sind meine Vorstelllungen nicht, stelle ich fest, als ich die Hauptstraße durch die 1500-Seelen-Gemeinde nehme. Wie ich später in einem der Gespräche bzw. Vorträge erfahre, hat Oberhof seinen Ruf als attraktive Touristendestination, der vor mehr als 130 Jahren begründet wurde, auch nach der Wende halten bzw. sogar festigen können.

Haus, Gebäude der Touristen-Information von Oberhof, davor parkt ein Auto.

Die Touristen-Information am zentralen Platz in Oberhof (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Alles hier lebt einzig vom Fremdenverkehr. Es gibt keine Industrie, alles Gewerbe vor Ort hat mit Tourismus zu tun. Seien es die Cafés, seien es die Läden, seien es die Hotels, von denen es einige gibt.

Ich laufe also durch den Ort, staune wie nahtlos alte Bausubstanz mit bunten, marktschreierischen Mitteln zum modernen Fremdenverkehrsort umfunktioniert wurde. Es geht dem Ort gut, er hat wenig von dem bröckelnden Charme, den ich im Harz sooft wahrgenommen habe. Und doch steckt die Vergangenheit noch überall. Martina, unsere Gastgeberin wird später sagen, dass es noch nach DDR riecht, diese Erfahrung fehlt mir, aber ich sehe es, spüre es.

Haus, Pension, mit vielen bunten Werbetafeln in Oberhof am Rennsteig.

Werbetalfel-Ästhetik zerstört das Gesamtbild (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Es gibt viele Cafés auf dieser Straße, jedes hat seinen eigenen Charakter. Das eine gibt sich ganz modern, sehr viel dezentes Grau, große graue Segel über den Außentischen, daneben die traute Kaffee-und-Kuchen-Sonntagnachmittag-Romantik alten Stils, falsche Gemütlichkeit, hinter der sich Geschäftstüchtigkeit verbirgt (Ich sag nur: draußen nur Kännchen).

Werbung für Bratwurst, Schild, Werbetafel, Oberhof am Rennsteig

Zugegeben: Die eine oder andere Werbetafel hat auch Witz (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Was suche ich eigentlich. Im Kopf ist das Bild einer italienischen Espresso-Bar, aber die werde ich hier sicher nicht finden. Stattdessen finde ich mich plötzlich auf einem großen weiten Platz wieder, der so gar nicht mit dem anderen harmonieren will, das ich bisher gesehen habe. Später werde ich erfahren, dass es auch vielen Einheimischen so geht. Modern, funktional aber seelenlos. Ich überquere den Platz, überquere die Durchgangsstraße und nehme das Sträßchen, das halblinks gegenüber leicht den Berg hinauf führt.

Café, Haus hinter Büschen verseckt, Oberhof, Rennsteig

Zum Verlieben: Katis Cafè Stübchen (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Und plötzlich weiß ich, dass ich hier richtig gelandet bin. Gleich eines der ersten Häuser ist ein Café, das sich dem ganzen modernen Trubel etwas verweigert hat. Ein paar Tischchen draußen, bunt- wenn auch nicht wahllos gemischt. Blumenkörbchen auf der schmalen Treppe, die ins Café hineinführt. Ein Schild: Hier backt nicht die Oma, sondern die Enkelin. Ehrlich, authentisch, jetzt muss nur der Kuchen auch noch schmecken – aber vor allem der Kaffee.

Kuchen, Kaffee, Teller, Blumen draußen,

Der Kaffee ist großartig, der Kuchen noch besser (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Ich habe wohl das gefunden, was ich gesucht habe. Noch kann ich es nicht ganz glauben, gehe hinein, um mich dort umzusehen. Hier ist es eng, aber gemütlich, noch zwei, drei kleine Tische, vor mir eine hohe Kuchentheke, noch einmal eine Stufe höherliegend, sodass die Frau hinter der Theke fast verschwindet.

Ich nehme lange schwarze Locken wahr, sie dreht mir den Rücken zu, und ein paar komplett tätowierte Arme. In jedem anderen Café, an dem ich vorbeigekommen bin, hätte das auf erschreckende Art und Weise normal ausgesehen. Aber hier wirkt das im ersten Augenblick etwas unpassend vor dem Hintergrund der Landhausromantik, die das Häuschen verströmt. Und doch ist es für mich die authentischste Location im ganzen Ort. Bei näherem Betrachten sehe ich aber auch das Schräge, das Komische und so rundet sich langsam das Bild.

Ein Tisch, eine Vase, ein gewöhnungsbedürftiges Glas, und ein wenig Plastikromantik

Andere Gelegenheit, anderer Blickwinkel, aber immer noch das dasselbe Café (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Wie sich später herausstellt, ist sie die Enkelin, die die Kuchen backt. Ich frage nach Apfelkuchen, ist leider aus. Ich bestelle Kirschstreusel und einen Cappucchino. Es ist der beste Kaffee seit langem. Eis ist nicht die billige Plörre, wie sie bei mir in der Eifel in fast jedem Café serviert wird, auf der nur eine dünne Milchschicht schwimmt, die ungefragt mit einer Prise Kakao veredelt wird und die selbstverständlich 2,90 Euro kostet. Hier steht der Schaum mehrere Zentimeter hoch und der Kaffee schmeckt einfach, genauso wie der Kuchen.

Ich habe ja viel Zeit, setze mich an den Rand, nicht zwischen die anderen, sondern an den letzten Tisch an der Ecke. Jetzt kann ich ein paar erste Tweets absetzen, erfahre, dass die anderen langsam ankommen.

Tafel mit lustigem Spruch zum Thema Kuchen vor dem Café in Oberhof

Und immer wieder auch ein witziger Spruch zum Thema Kuchen (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Ich genieße die Sonne, den Platz vor dem Café, mehr brauche ich im Moment nicht. Aber irgendwann muss ich dann doch zurück, ohne Hast und ohne Eile.

Weiter Platz, modern, Laternen, Klagemauer, Oberhof, Blumenkübel

Zurück geht es über den seelenllosen Platz, der so gar nicht nach Oberhof passen will (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Gerade als ich vor unserem Hotel ankomme, kommt mir eine junge Frau entgegen. Sie lächelt mich offen an. Huch, habe ich auf meine alten Tage noch Chancen bei attraktiven jungen Damen? Wie sich später herausstellt, ist sie die Marketingleiterin des Hotels, und erkennt mich aufgrund der Beschreibung, die Martina ihr gegeben hat. Das sagt sie aber nicht, sondern geht weiter, wobei ihr Lächeln noch intensiver wird.

Kurz darauf klingelt mein Handy. Gleichzeitig kommt ein Bus an, aus dem Daniela, unserer Wanderreporterin, aussteigt. Ich begrüße sie mit dem Handy am Ohr. Noch kurz nach oben, dann ist auch das erste Treffen angezeigt. Wir treffen uns in der Thüringer Stube, die eher ne offene Lounge ist, als eine Stube. Die Hotelvertreter stellen sich vor, darunter auch Patrick, der sympathische Junge aus dem Verkauf, der extra aus Frankfurt angereist ist und uns das ganze Wochenende begleitet. Ich erhalte die ersten Informationen zur Geschichte des Hotels.

Thüringer Stube, Bar, Lounge, Gläser auf dem Tisch. Zwei Männer.

Patrick Schulz (re), unser Mann aus Frankfurt, kann auch mal zuhören, wenn er nicht gerade redet. Doch wenn er redet, ist ihm auch Aufmerksamkeit sicher (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Eine Führung durch das Hotel schließt sich an. Dann das Abendessen und noch ein langer Abend in der Bar. Als ich um halbeins in mein Zimmer komme, bin ich noch zu aufgekratzt, um direkt ins Bett zu gehen. Also arbeite ich noch ein bisschen. Etwa eine Stunde später falle ich dann schwer auf mein Bett.

Der Himmel färbt sich langsam grau. Mein Blick schweift über noch einmal zum Horizont, wo noch immer Blitze zucken. Dunst steigt aus dem Dunkel der umgebenden Nadelwälder auf. Alles schlechte Omen für unsere heutige Wanderung? Wir werden sehen. Die Fortsetzung folgt in den nächsten Tagen.

Neugierig geworden auf das schnuckelige Café? Du findest es unter diesem Link:

 Katis Café Stübchen 

Und bevor ich es vergesse: Wer in Oberhof Urlaub machen will, guckt einfach hier:

https://www.oberhof.de/

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