Aktuell, Aktuelle Touren, Allgemein, Rhein, Rheinburgenweg, Rheinland-Pfalz
Kommentare 1

Auf dem Rheinburgenweg von St. Goar nach Oberwesel

Hier steht ein Foto mit dem Titel: Schöner kann ein Platz nicht sein — biilliger schon (Foto: Hans-Joachim Schneider)

 

Die einzelnen Etappen des Rheinburgenweg haben sehr unterschiedlichen Charakter. Die Etappe 10 ist eine recht kurze Etappe, dafür aber eine der schönsten.
Hier steht ein Foto mit dem Titel: Rheinburgenweg, das Symbol (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Rheinburgenweg, das Symbol (Foto: Hans-Joachim Schneider)

St. Goar ist Etappenstartpunkt auf dem Rheinburgenweg. Sobald Du in St. Goar aus dem Bahnhof trittst, stehst Du schon am Startpunkt dieser Etappe. Du wendest Dich kurz nach links, gehtst durch die Unterführung und folgst dann der Wegmarkierung für den Rheinburgenweg über die Treppenstufen bergauf. Es sind nicht wenige, da kommt man schnell ein wenig außer Atem. Aber schon hier in diesem ersten steilen Anstieg lockt gleich ein erstes Highlight. Rechter Hand im Hang rauscht ein schmaler Wasserfall über den Fels.

Hier steht ein Bild mit dem Titel: Eine Überraschung gleich am Anfang. Noch im Anstieg rauscht der kleine Wasserfall direkt am Weg (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Eine Überraschung gleich am Anfang. Noch im Anstieg rauscht der kleine Wasserfall direkt am Weg (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Das sollte sogleich eventuell aufkommenden Unmut über den langen Anstieg im Keim ersticken. Es ist ein erster Hinweis auf die vielen Schönheiten, die Dich noch erwarten. Und wenn Du dich einfach mal umdrehst, siehst Du unter Dir die Stadt und den Fluss liegen. Von hier oben ebenfalls sehr schön zu sehen ist das sehr schmale und scharf eingeschnittene Seitental des Hasenbaches, das so typisch ist für diese Region.

Hier steht ein Bild mit dem Titel: Langer Anstieg über Treppen (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Langer Anstieg über Treppen (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Rechts darüber auf dem Hügel liegt Burg Katz. Nach einer wechselvollen Geschichte wurde sie im Jahr 1806 von Napoleon gesprengt, 1896 von einem Privatmann gekauft und ohne Rücksicht auf die mittelalterliche Anlage wieder aufgebaut. Heute befindet sie sich in japanischem Privatbesitz und ist nicht zu besichtigen.

Blick zurück

Irgendwann hören die Treppen auf, aber es geht noch ein Stück weiter bergauf. Jetzt auf schmalem, aber immer noch mit Geländer gesichertem Steig führt die Markierung für den Rheinburgenweg durch den grünen Laubwald. Fantasien kommen auf. Irgendwie erwartet man, dass Robin Hood gleich um die nächste Kurve kommt.

Hier steht ein Bild mit dem Titel: Warten auf Robin Hood (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Warten auf Robin Hood (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Schließlich aber kommst Du auf dem oberhalb gelegenen Rheinplateau an. Hier bei einem Rastplatz bietet sich dann ein weiterer spektakulärer Blick auf das gegenüberliegende Ufer mit St. Goarshausen und dem Fähranleger sowie auf  Burg Katz. St. Goarshausen darf sich stolz Loreleystadt nennen, denn auf seinem Gebiet liegt der weltbekannte Fels, der so oft besungen und bedichtet wurde.

Hier steht ein Bild mit dem Titel: Blick vom Rheinburgenweg ins Tal: der Fähranleger von St. Goarshausen (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Blick vom Rheinburgenweg ins Tal: der Fähranleger von St. Goarshausen (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Vielbesungen

Aber die schönsten Loreleyblicke warten ja noch auf Dich. Es geht jetzt auf dem Rheinplateau am Rand oberhalb der steilen Hänge vorbei an Ackerland. Die hier oben rechter Hand auf der alten Rheinterasse liegenden Häuser gehören zur Gemeinde Urbar.

Hier steht ein Bild mit dem Titel: Fast tischeben ist die oberste Rheinterrasse (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Fast tischeben ist die oberste Rheinterrasse (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Der Blick nach links zum Fluss ist meist durch Hecken und Bäume verstellt. Wenn sich die Aussicht nach unten ins Rheintal und die gegenüberliegenden Höhen öffnet, bieten sich immer wieder überraschend grandiose Blicke auf den Loreleyfelsen, der ja hier die engste Stelle im gesamten schiffbaren Bereich des Rheins markiert. Als sogenannter Härtling hat er den Kräften des Wassers widerstanden, als sich dieses in den Rheingraben einfraß.

Hier steht ein Bild mit dem Titel: Gefährliche Passage für die Rheinschifffahrt, die Loreley (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Gefährliche Passage für die Rheinschifffahrt, die Loreley (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Durch die Enge erhöht sich die Durchflussgeschwindigkeit des Rheins. In Verbindung mit dem engen S-förmigen Verlauf, den der Rhein hier nimmt, und den vielen Felsen im Flussbett, die früher den Schiffsverkehr zusätzlich behinderten, entstand so eine für die Schifffahrt äußerst problematische Situation, die auch heute noch zu spektakulären Unglücken führt. Die Felsen im Flussbett wurden zwar geprengt, aber noch immer handelt es sich an der Loreley um eine schwierige Passage, die deshalb durch Lichtsignale geregelt wird.

Die Väter der Rheinromantik

Der nächste Aussichtspunkt, den Du nach Deinem Weg am Rande der Hochfläche erreichst, darf sich dann auch Loreleyblick nennen. Ein schlichtes Holzschild mit der berühmten Liedzeile »Ich weiß nicht, was soll es bedeuten, dass ich so traurig bin« und den Namen von Brentano, Heine und Silcher krönt den Aussichtspunkt. Diese drei Herren gelten als Väter des Loreleyliedes. Brentano schuf einen neuen Mythos, indem er geschickt alte Geschichten zu einer neuen Legende verband, Heine schuf das Liedmotiv, zudem Silcher dann die einprägsame Melodie erdachte.

Hier steht ein Bild mit dem Titel: Hier sind sie gelistet, die geistigen Väter des Loreleyliedes (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Hier sind sie gelistet, die geistigen Väter des Loreleyliedes (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Hinter dem Aussichtspunkt lockt Dich die Wegmarkierung nun auf einen schmalen Pfad in den Wald. Es geht ein Stück bergab, bis ein kleiner Bachlauf die tiefste Stelle des Einschnitts markiert. Ab hier geht es wieder im schattigen Grün des Laubwaldes bergauf.

Hier steht ein Bild mit dem Titel: Immer wieder tun sich auch unterwegs kleine spektaktuläre Blicke auf das Rheintal auf (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Immer wieder tun sich auch unterwegs kleine spektaktuläre Blicke auf das Rheintal auf (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Ab und an öffnet sich auch durch das Blätterwerk der Bäume ein vignettenartiger Blick hinunter auf den deutschesten aller Flüsse, auf den Campingplatz gegenüber dem Loreleyfelsen und auf die Loreley selbst.

Maria Ruh – a place to be

Schließlich aber geht es wieder hinaus aus dem Grün des Waldes und vor Dir öffnet sich das Areal des Landschaftsparks Maria Ruh. Hier oben gibt es ein Café, aber auch genügend Möglichkeiten sich außerhalb des Lokals niederzulassen. Ein kleiner Pavillon lädt zum Platznehmen ein. Jetzt heißt es: Pause machen. Du befindest dich jetzt direkt gegenüber vom Loreleyfelsen. Der Felsen selbst ist ja nicht der höchste Punkt, sondern markiert nur den äußersten Vorsprung zum Rheintal hin.

Hier steht ein Bild mlt dem Titel: Sommer, Erntezeit auf der obersten Rheinterrasse (Foto; Hans-Joachim Schneider)

Sommer, Erntezeit auf der obersten Rheinterrasse (Foto; Hans-Joachim Schneider)

Oberhalb des Felsens dehnt sich genau wie auf unserer Seite das Plateau der obersten Rheinterrasse. Dort befinden sich das Festivalgelände mit Freilichtbühne, das Besucherzentrum und dahinter erstreckt sich Gebiet des Landschaftsparks. Besucherzentrum und Landschaftspark entstanden anlässlich der Expo 2000.

Noch einmal Loreley, auch ein beliebtes Motiv für Künstler (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Noch einmal Loreley, auch ein beliebtes Motiv für Künstler (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Nach ausgiebiger Rast geht es wieder ein Stück in das Grün des Laubwaldes hinein. Aber nur für ein kurzes Stück, dann geht es wieder hinaus in die Ackerlandschaft hier oben auf dem Plateau. Linker Hand liegt dann noch – fast ein wenig versteckt – eine weitere Schutzhütte mit Aussicht auf das Rheintal.

Hier steht ein Bild mit dem Titel: Harmonisches Quartett, meine Mitwanderer (Foto: Hans-joachim Schneider)

Harmonisches Quartett, meine Mitwanderer (Foto: Hans-joachim Schneider)

Entscheidung am Rheinburgenweg: Klettersteig oder Skulpturenpfad

Kurz dahinter führt rechts direkt an einem Zaun entlang ein schmaler Kiespfad ein Stück bergauf. An dessen Ende links, auf diesem Weg dann wieder eine Zeitlang auf fast gleichbleibender Höhe am Hang entlang, bis Du schließlich an einer Wegkreuzung ankommst, an der Du eine Entscheidung treffen musst. Bist Du trittsicher und schwindelfrei, gehst Du  rechts ein Stück bergauf. Diese Variante ist als Ölbergsteig markiert und beinhaltet eine kleine Kletterpartie über ein paar Felsstufen, die aber mit Eisenstufen gesichert sind.

Von Trollen und Metallmenschen

Wenn du nicht sicher bist, ob eine kleine Kletterpartie für Dich das Richtige ist, gehst Du einfach weiter geradeaus und folgst dabei dem Symbol der stilisierten Schlange. Hier geht es nun auch schon leicht bergab in Richtung Oberwesel. Der besondere Reiz bei dieser Variante sind die Skulpturen, die am Wegrand auf Dich warten.

Alternative zum Rheinburgenweg: der Skulpturenpfad (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Alternative zum Rheinburgenweg: der Skulpturenpfad (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Zunächst sind es nur zwei, drei vereinzelte Metallskulpturen von verschiedenen Künstlern, nach Überschreiten der Landstraße aber spielt sich ein fester Takt ein, in dem die aus Alltagsgegenständen vom Künstler Hein zusammengeschweißten Metallgestalten auf Dich warten. Es sind lustige, heitere Wesen, Trolle mit jeweils eigenem Charakter.

Hier steht ein Bild mit dem Titel: Falls Du schon immer mal wissen wolltest, wie ein Troll aussieht (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Falls Du schon immer mal wissen wolltest, wie ein Troll aussieht (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Vorübergehend geht es auch wieder ein Stück tiefer in den Wald, aber ob Wald oder nicht, fast überall wuchert üppig das Grün, in Büschen und Hecken. Noch einmal geht es über ein Sträßchen hinüber und ganz unerwartet tut sich vor Dir ein Kleinod auf: das durch die Filme der Heimat 3-Serie so bekannt gewordene Günderode-Haus.

In aller Munde: das Günderode-Haus

Schätze Dich glücklich, wenn Du einen Platz auf dem kleinen Plateau vor dem Haus ergatterst. Meist ist hier viel los. Vielleicht findest Du ja Platz unter der großen Eiche? Aber auch Terrasse hinter der Gaststube bietet einen sensationellen Blick hinunter auf das südwärts gelegene Oberwesel. Mitten im Rhein leuchtet aus der Ferne Burg Pfalzgrafenstein, die niemals dauerhaft bewohnt war, sondern als Zollburg mitten im Rhein gebaut und genutzt wurde.

Hier steht ein Foto mit dem Titel: Schöner kann ein Platz nicht sein — biilliger schon (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Schöner kann ein Platz nicht sein — biilliger schon (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Was die Stimmung ein wenig trüben könnte, sind die Preise hier oben. Okay, der Kaffeepott ist riesig, aber in der Regel kommt er aus einer Warmhaltekanne, ist also nicht frisch aufgebrüht. Saft oder Schorle gibt es auch nur in 0,4 l-Gläsern. Und das kostet dann gleich ab 4 Euro aufwärts (auch der Kaffee). Ach ja, und das alles bei Selbstbedienung hier auf der Terrasse.

Aber Du lässt Dir bei an diesem tollen Tag auf dem Rheinburgenweg die Stimmung nicht vermiesen. Nachdem Du die spektakulären Ausblicke ausgiebig genossen hast, gehst Du zurück in Richtung Straße, aber noch vorher biegt auf dem zum Günderode-Haus gehörenden Parkplatz der Rheinburgenweg rechts wieder ab, führt als schmaler Pfad durchs Gebüsch nun konsequent bergab.

Noch einmal ein paar Minuten durch das Grün hier am Hang, dann endet der Pfad an einem schmalen Sträßchen, von dem man erst einmal gar nicht denkt, dass ein Auto kommen könnte. Nur ein paar Schritte auf dem Sträßchen und schon stehst Du in Oberwesel. Der Bahnhof des Ortes liegt fast am südliche Ende. Auf dem Weg dorthin gibt en noch etliche Möglichkeiten zur Einkehr.

 

Die wichtigsten Infos in Kürze

Rheinburgenweg Etappe 10 St. Goar – Oberwesel

Start: Bahnhof St. Goar

Ziel: Bahnhof Oberwesel

Länge der Tour: 9 km

Dauer: 3 Std. (ohne Pause)

Schwierigkeitsgrad: einfach

Symbol: Rheinburgenweg

Anreise mit dem ÖPNV: Mit der Bahn Anreise bis Bahnhof St. Goar. Rückfahrt dann ab Bhf. Oberwesel (Hinweis: Schon ab zwei Personen rentiert sich der Kauf eines Minigruppentickets im Tarifgebiet des VRM) Infos dazu unter www.vrminfo.de/home/. Mit dem Pkw: Am Ortseingang von St. Goar befindet sich am Rheinufer ein kostenloser Parkplatz.

 

Merken

1 Kommentare

  1. Pingback: Ein Wochenende in der Jugendherberge Oberwesel - die Planung - INJELEA Blog

Kommentar verfassen