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Goldene Meile und AhrSteig

Bunter Herbstlaub verzaubert das gegenüberliegende Ufer in eine rauschende Farbpallette

Unverhofft kommt oft – eine ungeplante Wanderung über die Goldene Meile zum AhrSteig.

Manchmal dauert es, bis ein Text seinen Weg auf das digitale Papier findet. So auch in diesem Fall. Bereits im Oktober 2015 bin ich frühmorgens in Köln aufgebrochen, um den AhrSteig von unten her aufzurollen. Will sagen: Mein Plan ist es, von der Ahrmündung in der Nähe von Sinzig ahraufwärts zu laufen, so weit ich an diesem Tag eben komme. Und mal wieder kommt es ein wenig anders.

Ich bin nicht oft mit dem Zug unterwegs, ich fahre lieber mit dem Auto, dann bin ich unabhängig. Aber an diesem Sonntagmorgen ist meine Wahl auf den Zug gefallen und das war am Ende auch gut so.

Warmes Herbstlicht verzaubert das Rheintal

Während der Fahrt genieße ich das Licht der frühen Morgenstunde. Über dem Rhein liegt zum Teil noch herbstlicher Frühdunst und verhüllt und verzaubert den Strom und die kleinen und großen Gemeinden am gegenüberliegenden Ufer. Wie schön diese Stimmung ist, bemerke ich endgültig, als wir die Kuppen des Siebengebirges passieren.

Oktobermorgen: Das frühe Herbstlicht wärmt die Farben (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Das frühe Herbstlicht wärmt die Farben (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Bei dem Gedanken in dieser Stimmung am Rheinufer entlangzuwandern, fällt mir ein, dass ich ja schon in Remagen aussteigen kann. Schon lange wollte ich mir die historisch so bedeutsame Brücke von Remagen (bzw. das was davon übrig ist) einmal ansehen.

Die ehemalige Brückenrampe auf Remagener Seite ist neben den beiden Brückeköpfen das einzige Überbleibsel, das an die Ludendorff-Brücke erinnert.

Auf beiden Rheinseiten sind nur noch die Brückenköpfe erhalten. Was aussieht wie die Brückenrampe ist nur die Verladerampe einer ehemaligen Türenfabrik (Foto: Hans-Joachim Schneider)

In Remagen verlasse ich den Zug und suche mir den kürzesten Weg zum Rheinufer, was trotz Ausschilderung nicht so ganz einfach ist. Vielleicht bin ich auch einfach noch zu sehr in der Traumstimmung gefangen. Aber dann bin ich irgendwann doch da, wo ich hin will, und schon wenig später stehe ich an der weltbekannten Brücke von Remagen. Zu sehen sind noch auf beiden Seiten der ehemalige Brückenkopf mit seinen zwei Türmen, zwischen denen die Brückenrampe verlief.

Der mächtige fast schwarze Brückenkopf auf der Erpeler Seite steht verlassen aber trutzig an seinem Platz

Der Brückenkopf auf der Erpeler Seite. Anders als der auf der Remagerer Seite wird er nicht mehr genutzt (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Hier in Remagen hat ein engagierter Bürgermeister die Chance genutzt, aus dem historisch so bedeutsamen Monument ein Friedensdenkmal zu schaffen. Finanziert hat er dies durch den Verkauf von Trümmerstücken der alten Stützpfeiler der Brücke. Aber vielleicht sollte ich doch ganz kurz die Geschichte der Brücke bzw. die Geschichte der letzten Tage dieses Bauwerks erzählen.

Die Ludendorff-Brücke und ihre Geschichte am Ende des zweiten Weltkriegs

Die Brücke von Remagen – ursprünglich Ludendorff-Brücke getauft – spielte ein zentrale Rolle beim Vorstoß der amerikanischen Truppen am Ende des Zweiten Weltkriegs. Unter dem Namen »Brücke von Remagen« wurde sie erst durch einen gleichnamigen amerikanischen Spielfilm bekannt, der die realen historischen Geschehnisse als Hintergrund für eine Liebesromanze nutzte.

Von der filmischen Fiktion zur Realität

Die sich zurückziehende deutsche Wehrmacht versuchte mehrfach, die Brücke zu sprengen, um den amerikanischen Verbänden den Übergang über den Rhein zu erschweren. Schon beim Bau der Brücke waren Depots für Sprengstoff im Brückenbauwerk für den Verteidigungsfall vorgesehen worden. Im Lauf des Krieges aber war dieser entfernt worden, wohl weil man ihn an anderer Stelle besser gebrauchen konnte. Als dann die Sprengung für den 7. März 1945 geplant wurde, stand nur minderwertiges Sprengstoff zur Verfügung, den man kurzfristig organisiert hatte.

Der Versuch, das Brückenbauwerk in die Luft zu jagen, scheiterte. Die gesamte Brückenkonstruktion wurde zwar in ihren Grundfesten erschüttert, aber das führte nicht zu ihrem Einsturz. Die nachrückenden Amerikaner verfügten somit über den ersten Rheinübergang, um auf rechtsrheinisches Gebiet vorzudringen. Noch während die US-Truppen den Strom überquerten, gab es weitere Versuche etwa durch Kampfschwimmer, aber auch durch Granaten- und Raketenbeschuss, die Brücke zum Einsturz zu bringen. Alle diese Versuche scheiterten. Die verantwortlichen deutschen Offiziere wurden dafür von einem fliegenden Standgericht am 9. März zum Tode verurteilt und standrechtlich erschossen. Nur einer der Verurteilten überlebte, weil er zu diesem Zeitpunkt schon in amerikanischer Kriegsgefangenschaft war.

Da die Brücke aber durch den Sprengversuch Schaden erlitten hatte und die US-Truppen mit ihren schweren Fahrzeugen das Bauwerk weiter belasteten, kam es dann doch zur Katastrophe. Am 17. März stürzte die Brücke wegen der dauernden Überlastung ein und riss 32 amerikanische Pioniere in den Tod.

Die im Strom stehengebliebenen Brückenpfeiler behinderten nach dem Krieg die Rheinschifffahrt. Sie wurden 1976 zurückgebaut. Ihre Trümmer sind es, die der Remagener Bürgermeister Hans-Peter Kürten verkaufte, um mit dem Erlös das Friedensmuseum einrichten zu können. Auch heute noch können Original-Brückensteine im Museum erworben werden.

Aber zurück in die heutige Zeit

Soweit zur Geschichte. Da ich an diesem Morgen sehr früh unterwegs bin, ist das Museum noch geschlossen. Da bleibt mir nicht viel anderes übrig, als draußen ein paar Fotos zu machen und mich dann weiter Richtung Ahrmündung zu begeben.

Eine Wohltat für das Auge: Die herbstlichen Farben am jenseitigen Rheinufer (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Nicht verschwenderisch und doch in satten Farben glänzt das jenseitige Ufer (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Das klingt erst mal sehr nüchtern, aber die drei oder vier Kilometer bis zur Mündung dieses schmalen Flüsschens in den großen Vater Rhein haben es ins sich. Gebannt hängt mein Blick die ganze Zeit am gegenüberliegenden Ufer. Dort, zwischen Erpel und Linz, entfaltet der Herbst seine immer wieder überraschende Farbenpracht. Schon am Fuß der Erpeler Lay – wo sich auch der jenseitige Brückenkopf der ehemaligen Ludendorff-Brücke befindet, fängt dieser Zauber dezent an.

Was nicht erst an der Erpeler Lay anfängt, setzt sich weiter fort, das ganze jenseitige Ufer ist in diese Farben gehüllt (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Was nicht erst an der Erpeler Lay anfängt, setzt sich weiter fort, das ganze jenseitige Ufer ist in diese Farben gehüllt (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Auf der weiteren Wegstrecke sind dann dem Farbenreichtum kaum noch Grenzen gesetzt. In das Grün von Büschen und Bäumen mischt sich immer wieder leuchtendes Gelb und flammendes Rot. Bilder, an denen sich mein Auge an diesem Morgen gar nicht satt sehen kann. Immer wieder neue Farbtableaus präsentiert die Natur und keines gleicht dem anderen.

Das Rheinufer zwischen Erpel und Linz ist dünn besiedelt, die Häuser verstecken sich im herbstlichen Bunt (Foto: Hans-Joachim Schneider)


Das Rheinufer zwischen Erpel und Linz ist dünn besiedelt, die Häuser verstecken sich im herbstlichen Bunt (Foto: Hans-Joachim Schneider)

So merke ich beinahe gar nicht, dass ich immer weiter nach Süden komme. Erst als ich den Fähranleger von Kripp vor mir liegen sehe, begreife ich, dass ich schon fast an der Ahrmündung angekommen bin. Die Landschaft, in die die Ahrmündung eingebettet ist, heißt seit alters her Goldene Meile. Weshalb, das können wir bei AW Wiki nachlesen:

Als Goldene Meile wird die Mündung des Ahrtals in das Rheintal bezeichnet. Die Ebene erstreckt sich linksrheinisch von Bad Breisig aus flussabwärts bis nach Remagen und von der Ahr-Mündung oberhalb des Remagener Stadtteils Kripp ahraufwärts über Bad Bodendorf bis nach Lohrsdorf. Die Bezeichnung “golden” stammt von der Fruchtbarkeit des Schwemmlands in dem Mündungsdelta, die den Bauern stets gut Erträge garantierte. Das Ackerland der Goldenen Meile zählt – zusammen mit der Gemeinde Grafschaft  zu den landwirtschaftlichen Top-Lagen des Kreises Ahrweiler (siehe AW Wiki: Goldene Meile)

Negative Bekanntheit bekam dieser an sich doch so positive Name durch ein Kriegsgefangenenlager (eigentlich waren es zwei), in dem die amerikanischen Streitkräfte die deutschen Kriegsgefangenen unterbrachte, die bei der Eroberung der Rheinlande in ihre Hände gefallen waren.

In den beiden Lagern an der Goldenen Meile waren insgesamt fast 300.000 deutsche Internierte untergebracht, anfänglich ohne jegliches Dach über dem Kopf und mit äußerst mangelhafter Ernährung. Die Amerikaner – so heißt es – sollen nach der raschen Einnahme der Rheinlande große Nachschubschwierigkeiten auch für die eigenen Truppen gehabt haben. In der Folge starben über 1200 Gefangene an Ruhr, Erschöpfung und Unterernährung. Die Zustände müssen elendig gewesen sein. Die Gedenkgräber für die Gefangenen, die im Lager Goldene Meile umkamen, findet man auf dem Ehrenfriedhof bei Bad Bodendorf. (Informationen frei nach Wikipedia: Das Kriegsgefangenenlager an der Goldenen Meile.

Rotgoldenes Laub ziert auch das Remagener Rheinufer und steht symbolisch für die Goldene Meile

Rotgolden glänzt das Laub auch auf der Remagener Seite (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Lassen wir die Vergangenheit ruhen und erfreuen uns an dem milden Oktoberwetter mit seinem warmen Licht. Es ist immer noch früh, an der Fähre ist es noch relativ ruhig. Von hier bis zur Ahrmündung ist es jetzt gar nicht mehr weit.

Der Rhein versteckt sich, jenseits strahlen wieder die Herbstfarben. Das Tuckern der Schiffsmotoren aber ist nicht zu überhören (Foto: Hans-Joachim Schneider)

An diesem Morgen führt die Ahr nicht allzu viel Wasser. Aber auch hier ist zu erkennen, wie der Fluss sich sein Bett durch das Naturschutzgebient sucht und ständig neu verlegt (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Am Beginn des AhrSteigs

Das Flüsschen führt nicht allzu viel Wasser. Friedlich strömt es dem großen Vater Rhein entgegen, der sein Wasser aufnimmt, wie das schon vieler anderer deutscher Flüsse vorher.

Die überdachte Holzbrücke über die Ahrmündung signalisiert für mich den Beginn des AhrSteigs (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Für mich fängt der AhrSteig genau hier an: die schöne überdachte Holzbrücke über die Ahr (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Die überdachte Holzbrücke ist für mich symbolisch der Beginn des AhrSteigs, auch wenn dessen offizieller Beginn mitten in Sinzig liegt. Mittlerweile hat sich die Sonne hinter einen Dunstschleier verzogen. Es ist grau und kühl, aber das ist Herbst. Auf dem schmalen Rad- und Fußgängerweg am Rheinufer stehen die Walnussbäume Spalier. Zwei, drei Menschen, offensichtlich keine Wanderer, sind unterwegs, um die Nüsse zu ernten, die jetzt gerade reif sind. Vereinzelte Radfahrer sind auf der Strecke, aber insgesamt ist es immer noch sehr ruhig. Das mag an dem kühlen Herbstwetter liegen.

Kaum habe ich die Holzbrücke hinter mir gelassen, nimmt mich diese schöne Nussbaumallee auf (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Kaum habe ich die Holzbrücke hinter mir gelassen, nimmt mich diese schöne Nussbaumallee auf (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Mir ist es recht, ich mag keine Menschenmassen. Wenig später biegt der AhrSteig-Zuweg vom Rheinuferweg ab. Er führt in etwa parallel zur Ahr, aber in gehörigem Abstand Richtung Sinzig. Ein letztes Idyll, ein schmaler Nebenarm, ein Eisvogel im Gebüsch, der schnell verschwindet, als ich die Kamera auspacke. Noch einmal richte ich den Blick zurück. Der Rhein versteckt sich hinter einem breiten Band von Auenwald.

Der Rhein versteckt sich, jenseits strahlen wieder die Herbstfarben. Das Tuckern der Schiffsmotoren aber ist nicht zu überhören (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Der Rhein versteckt sich, jenseits strahlen wieder die Herbstfarben. Das Tuckern der Schiffsmotoren aber ist nicht zu überhören (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Der Zuweg macht noch einige Schlenker, dann geht es über die Brücke, die über die Bahntrasse führt. Nun noch am Bahnhof vorbei, ich folge der Barbarossastraße, dann links hoch zur Basilika. Auch hier ist es noch ruhig. Die Cafés verzichten bei diesem Wetter auf Außengastronomie, also hält mich hier nichts.

Eine grüne Wiese, ein paar Bäume, das alles ist Teil der fruchtbaren Goldenen Meile.

Das Acker- und Weideland der Goldenen Meile ist sehr fruchtbar, daher auch der Name (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Zurück auf dem AhrSteig geht es nun in die Wälder oberhalb von Sinzig. Das Wetter wird noch grauer, noch dunstiger und bleibt so, bis ich in Heimersheim bin. Ursprünglich wollte ich weiter, zumindest bis Bad Neuenahr, aber da das Licht auch wenig fotofreundlich ist, beschließe ich die Tour hier zu beenden.

Glücklich über den atmosphärisch so stimmigen ersten Teil der Wanderung über die Goldene Meile setze ich mich in den Zug Richtung Heimat. Es ist ja nicht das letzte Mal, dass ich auf dem AhrSteig unterwegs bin.

Weitere Infos zum AhrSteig findest Du unter www.ahrsteig.de

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