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Flashmob am Westerwaldsteig – Weltende in Sicht

Hier steht ein Bild mit dem Titel: Die fette Brücke am Westerwaldsteig – die hat's mir angetan (Foto: Hans-Joachim Schneider)
Ein Tag auf dem Westerwaldsteig von Hattert nach Kloster Marienthal

Es ist fünf vor zwölf, quasi, als dem Westerwaldsteig das Weltende auf mich zukommt. Oder besser: ich auf das Weltende. Um das klarzustellen: Es geht hier nicht um Weltende im Sinne von Weltuntergang, Armageddon, Prophezeiungen des Johannes. Ne, es geht um das andere Weltende, also das, wo die Welt mit Brettern vernagelt. Wo es nicht mehr weitergeht. Aber mit den Brettern ist das ja so eine Sache. Die hängen ja bei manchen direkt vorm Kopp. Und da geht es dann schon nicht mehr weiter. Kann man jetzt jeden Tag sehen, in der Politik und so.

Jede Reise beginnt mit dem ersten Selfie

Aber der Reihe nach. Ich war heut auf dem Westerwaldsteig. Die werben nämlich mit dem Weltende. Wieso eigentlich. Ich würde ja für beides keine Werbung machen: weder für den Weltuntergang noch für den Platz, wo die Welt mit Brettern vernagelt ist. Machen die aber. Also geh ich mir das angucken. Für mich beginnt die Tour am Haltepunkt Hattert. Haltepunkt, ja Haltepunkt. Gucksdu hier.

HIer steht ein Bild mit dem Titel: Haltepunkt Hattert: Start zur Suche nach dem Weltende (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Haltepunkt Hattert: Start zur Suche nach dem Weltende (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Also, Haltepunkt ist, wo es für einen Bahnhof nicht reicht. Is aber schön, dass die Bahn da überhaupt hält. Wenn ich da vorbeikäm, würde ich glatt durchfahren. Tut se aber nicht. Sollten wir mal dankbar für sein. Sogar einen eigenen Sprayer haben die da! Bezahlt wohl die Hessische Landesbahn. Damit man denkt: Ganz schön was los hier. Kannste hier sehen:

Hier steht ein Bild mit dem Titel: Haltepunkt Hattert: Sogar Sprayer gibt es hier (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Haltepunkt Hattert: Sogar Sprayer gibt es hier (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Haltepunkt Hattert, der ist ganz nahe bei Hattert. Stimmt aber nicht, der ist nämlich viel näher bei Müschenbach. Weiß ich, weil ich an der Tankstelle gefragt hab. Da ist die Frau mit rausgekommen und hat mir gezeigt, wo der Haltepunkt Hattert ist. Ich war nämlich mit dem Auto da. Raus aus Hattert, rein nach Müschenbach. Kein Haltepunkt gesehen. Verstehste jetzt nicht!? Ich auch nicht so richtig.

Hier steht ein Foto mit dem Titel: Haltepunkt Hattert: Bei soviel Landschaft ist der Haltepunkt leicht zu übersehen (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Haltepunkt Hattert: Bei soviel Landschaft ist der Haltepunkt leicht zu übersehen (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Von Zugwegen und Zuwegen

Also von Hattert, äh, ich mein Müschenbach, von der Tankstelle, lauf ich dann erstmal durch den Ort. Immer den Schildern nach: Zuweg Westerwaldsteig. Nicht Zugweg, sondern Zuweg. Zugweg ist in Kölle, da weiß jeder was Zugweg ist, aber nicht in Müschenbach. Da wissen nicht mal alle, was Zuweg ist. Dabei ist doch ganz klar: Zuweg heißt: Hier ist noch nicht Westerwaldsteig. Den such ich nämlich, sonst erleb ich das Weltende nicht.

Hier steht ein Bild mit dem Titel: So sieht nämlich der Zuweg aus (Foto: Hans-Joachim Schneider)

So sieht nämlich der Zuweg aus (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Also ab durchs Dorf, mitten durch, und am Ende wieder raus. An der Kläranlage vorbei. Durch den Wald, immer an so einem kleinen Bach lang. Der will zur Nister. Ich auch. Aber da ich mich noch immer auf dem Zuweg befinde, muss ich erstmal durch Astert.

Hier steht ein Bild mit dem Titel: Die erste Brücke über die Nister. Hier beginnt für mich der Westerwaldsteig (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Die erste Brücke über die Nister. Hier beginnt für mich der Westerwaldsteig (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Über sieben Brücken musst Du gehen

Und dann endlich über die Brücke über die Nister. Jetzt hab ich ihn gefunden, den Westerwaldsteig. Der fängt genau hier an, also zumindest für mich. Den will ich jetzt auch nicht mehr verlieren. Passiert mir trotzdem. Kurz vor Schluss, also am Weltende, aber da ist das ist ja auch kein Wunder.

Hier steht ein Bild mit dem Titel: Schattenselfie am Westerwaldsteig. Der Beweis, dass ich da war (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Schattenselfie am Westerwaldsteig. Der Beweis, dass ich da war (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Hinterher weiß ich, ich hätte gar nicht so sehr aufpassen müssen, der WWS bleibt nämlich immer am Ufer der Nister. Mal mehr, mal weniger, aber immer nah dran. Und eins kann ich jetzt schon verraten: Die Nister hat mehr Brücken in ihrem Verlauf als der ganze Rhein. Wetten? Dumm nur, dass die Nister so viele Bögen macht (für Geographen: Die mäandriert ganz schön rum). Die Schleifen macht der Weg nämlich alle mit. Muss das wirklich sein?

Hier steht ein Foto mit dem Titel: Westerwaldsteig: Noch ne Brücke über die Nister (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Westerwaldsteig: Noch ne Brücke über die Nister (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Zum Beispiel macht sie einen großen Bogen um Heuzert. Also, das hätt ich mir sowieso nicht angesehen, hab ich noch nie von gehört, aber in dem Fall … Dabei gäb es so schöne Wege. Auch später noch. Zum Beispiel könnte man doch direkt über den Michelhähne gehen. Tun se aber nicht. Bleiben immer am Ufer der Nistert. Wenn sie über den Berg gingen, wäre es vermutlich ruhiger. So treff ich ständig auf Menschen.

Hier steht ein Bild mit dem Titel: Gerade mal kein Mensch unterwegs auf dem Westerwaldsteig (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Gerade mal kein Mensch unterwegs auf dem Westerwaldsteig (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Kleiner Bodycount

Allein auf dem ersten Stück bis zum »Kleinen Deutschen Eck« (erklär ich gleich) begegnen mir: Vier Mountainbiker, fünf Herrchen mit Hund, siebzehn Stöckchenschlepper und etliche Familien, mal mit Opa, mal ohne. Glücklich gucken tut keiner. Ich wahrscheinlich auch nicht. Ärgern sich alle, dass sie immer hier am Ufer lang müssen. Nur Wanderer sehe ich keine, also so jemand wie ich. Die sind wahrscheinlich alle wandern – und glücklich.

Hier steht ein Foto mit dem Titel: Auch gerade keiner unterwegs auf dem Westerwaldsteig (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Auch gerade keiner unterwegs auf dem Westerwaldsteig (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Einmal krieg ich dann doch Spass – da gibt es nämlich mitten im Wald plötzlich so ne schöne alte Brücke über die Nister. Schön alt, ach ja, sagte ich schon,  und mit zwei Bögen.

Hier steht ein Bild mit dem Titel: Die fette Brücke am Westerwaldsteig – die hat's mir angetan (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Die fette Brücke am Westerwaldsteig – die hat’s mir angetan (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Ich kletter natürlich runter zum Ufer. Das lieb ich. Wenn ich auf der einen Seite stehe und durch die Bögen guck, denk ich: Dahinter fängt ne andere Welt an.

Hier steht ein Bild mit dem Titel: Die Brücke mit dem Durchblick, dahinter fängt ne neue Welt an (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Die Brücke mit dem Durchblick, dahinter fängt ne neue Welt an (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Also kann hier noch nicht das Weltende sein. Und dann unter der Brücke durch und in die andere Richtung gucken. Ne, keine andere Welt. Was ich da sehe, das kenn ich. Da war ich schon mal.

Hier steht ein Bild mit dem Titel: Blick zurück, auch da ist kein Weltende zu sehen (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Blick zurück, auch da ist kein Weltende zu sehen (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Also weiter. Der Weg ist jetzt schön breit. Kein Pfad mehr, eher so geschotterter Fußweg. Für Familien eben – mit Opa. Da fällt mir glatt mein Knie wieder ein. Tut nämlich schon die ganze Zeit weh. Ich werd auch langsam alt. In den Knien. Im Kopf hoffentlich noch nicht.

Hier steht ein Bild mit dem Titel: Fast so alt wie mein Knie, der alte Brückenwächter (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Fast so alt wie mein Knie, die alte Brückenwächter-Eiche (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Ein klein wenig Hochstapeln muss doch erlaubt sein

Und dann weiß ich auf einmal, wo die alle hinwollen. Zum kleinen deutschen Eck. Nicht weil hier Koblenz ist, sondern weil hier die Kleine Nister in die große Nister fließt. Ist ja wie die Heimkehr vom verlorenen Sohn. Damit das nicht so ohne Theater abgeht, hat den beiden jemand Steine in den Weg gelegt.

Hier steht ein Bild mit dem Titel: Misslungener Versuch am kleinen deutschen Eck, war nix mit Steine in den Weg legen (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Misslungener Versuch am kleinen deutschen Eck, war nix mit Steine in den Weg legen (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Aber wer Wasser kennt, weiß, dass sich Wasser nicht aufhalten lässt. Jetzt nicht so: Steter Tropfen höhlt den Stein, sondern eher: Das Wasser fließt einfach um die Steine drumrum. Da haben sich die Steineträger also die Arbeit umsonst gemacht. Ist auch besser so, denn sonst hätten die hier ja kein kleines deutsches Eck mehr.

Hier steht ein Foto mit dem Titel: Schön isses hier am Westerwaldsteig, kann man ruhig mal zugeben (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Schön isses hier am Westerwaldsteig, kann man ruhig mal zugeben (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Und hier sehe ich dann auch die ersten Wanderer. Die haben sich scheinbar alle zusammengetan. Eine ganze Horde von ihnen bricht nun aus dem Wald heraus und überflutet den Platz. Vielleicht eine Art Flashmob. Alles alte, zähe Leute, kampferprobt. Sie besetzen sofort den einzigen Tisch, der Fischkopp unter ihnen holt sofort seine Karte raus, Strategien werden entworfen.

Flucht vor dem Flashmob

Ich mach mich so schnell wie möglich aus dem Staub. Nicht dass die mich noch für einen der ihren halten. Schnell über die Brücke. Erst merke ich gar nicht, wie mir geschieht. Dann geht mir ein Licht auf. Nein, nicht länger auf dem rechten Ufer der Nister laufen. Endlich Abwechslung. Ab hier geht es auf dem linken Ufer weiter. Der Weg ist immer noch schön breit. Viel Platz für noch mehr Stöckchenschlepper, Hundeführer, Familien mit Opas.

Hier steht ein Bild mit dem Titel: Endlich Seitenwechsel: der Westerwaldsteig am linken Ufer der Nister (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Endlich Seitenwechsel: der Westerwaldsteig am linken Ufer der Nister (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Schließlich kommt der WWS aus dem Wald heraus, kurz vor der Straße. Dort steht eine große Karte. Ist der ganze Westerwaldsteig drauf, also fast. Ein Paar mit Hund (!) steigt gerade aus dem Auto aus. Kommen auch zur Tafel. Schauen genauso ratlos wie ich. Er dann so: Wo ist denn jetzt die Nordsee. Ich sach mal lieber nix. Also wenn man auf der Karte auch nix erkennen kann, wie ich zur Nordsee käm, dass wüsst ich. Bötchen aus dem Auto, rein in die Nister und dann einfach treiben lassen. Von der Nister in die Sieg, von der Sieg in den Rhein und dann auf dem Rhein in die Nordsee.

Marketingideen noch und nöcher

Das muss ich den Marketingleuten vom WWS mal empfehlen. Wildwasserrafting von der Nister bis in die Nordsee. Dann wären hier nicht nur Stöckchenschlepper unterwegs. Obwohl, die könnten sich dann endlich auch mal nützlich machen. Die könnten mit ihren Stöcken mal die Nister was aufwirbeln, von wegen Wildwasserrafting und so.

Hier steht ein Bild mit dem Titel: Wildwasserrafting am Westerwaldsteig, meine neueste Marketingidee (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Wildwasserrafting am Westerwaldsteig, meine neueste Marketingidee (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Ich mach mich lieber aus dem Staub. Hinter mir kann ich schon wieder die Flashmobmeute hören. Also schnell weg. Über die Straße, durch die Wiese, schon wieder einer auf dem MTB. Aber wo ist hier die Nister? Die macht lieber wieder einen Bogen, kann sich dann aber doch nicht vom WWS trennen und kommt zurück. Weil es so schön ist, geht es gleich wieder über den Bach. Dahinter lauert versteckt das »Restaurant zum Niesterstrand«. Also hier doch schon Nordseefeeling.

Hier steht ein Bild mit dem Titel: Fast noch schöner wie alles andere, die alte Weide an der Nisterbrücke (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Fast noch schöner wie alles andere, die alte Weide an der Nisterbrücke (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Auch für die hätte ich noch ne Marketingempfehlung: Werbeschild: Letzte Futterstelle vor der Nordsee. Kommt doch gut, oder? Ich geh lieber hintenrum ums Restaurant, das tut der WWS übrigens auch. Ehrlich! So heißt das Kaff hier, ehrlich.

Hier steht ein Blid mit dem Titel: Hätteste jetzt nicht gedacht, oder? (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Hätteste jetzt nicht gedacht, oder? (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Von der letzten Futterstelle zur Spitze Lay

Der Pfad hinter dem Restaurant führt auf ein Waldsträßchen und das wiederum führt zu einer größeren Straße. Über die muss ich nun drüber, am Altenheim vorbei. Ich hoffe, dass die Leute vom Flashmob hier zu Hause sind und mich nicht weiter verfolgen.

Hier steht ein Bild mit dem Titel: Altes verfallendes Haus am Westerwaldsteig: das Weltende muss nahe sein (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Altes verfallendes Haus am Westerwaldsteig: das Weltende muss nahe sein (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Kurz durch den Wald, dann scharf nach rechts auf einen, hä?, seh ich richtig? Das sieht aus wie früher in der DDR, ein Fahrweg aus Platten, nur neuer. Zwischen Wiesen bergauf, schon wieder ein MTBler. Und dann scharf linkss wieder in den Wald. Dabei überhol ich ne Familie, nicht mit Opa, ne, mit Kind. Und dann ein Hinweisschild: Spitze Lay. Und ein richtiger Waldpfad.

Endlich. Die Spitze Lay ist ein Aussichtspunkt oberhalb von Stein-Wingert (Doppelname nach der Eheschließung?). So ähnlich wie Bad Neuenahr-Ahrweiler). Vom letzteren Paar weiß man, dass se nicht so glücklich sind miteinander. Aber das geht mich ja nix an.

Hier steht ein Bild mit dem Titel: Hinweisschild zur Spitze Lay (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Hinweisschild zur Spitze Lay (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Weil ich die Aussicht nicht so Spitze fand, hab ich auch kein Foto gemacht, Könnt ja selber hinfahren. Da gibt es einen Parkplatz direkt am Friedhof, da habt ihr es nicht so weit. Woher ich das weiß? Weil es von dem Aussichtspunkt gleich nach dreißig Metern wieder auf einen geschotterten Weg geht (irgendwo muss der ganze Schotter ja hin). Und der führt am Friedhof vorbei und dann am zugehörigen Parkplatz und schon stehe ich schon wieder an einer Straße. Kurz nach links, dann wieder rechts in die Wiesen. Und immer noch warte ich auf das Weltende. Immerhin: Schilder dahin gibt es schon.

Hier steht ein Bild mit dem Titel: Und kommt er jetzt endlich, der Weltendepfad (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Und kommt er jetzt endlich, der Weltendepfad (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Enttäuschendes Weltende

Zwischen den Kühen hindurch, durch die Wiese und wieder ab in den Wald. Und jetzt wird es plötzlich spannend. Also fast. Auf jeden ein ganz klein wenig und hoch und es gibt sogar eine Passage, die wo mit Drahtseil gesichert ist. Aber ist auch schnell vorbei.

Hier steht ein Bild mit dem Titel: Und jetzt gleich hinter der Kurve ist die Welt zu Ende? (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Und jetzt gleich hinter der Kurve ist die Welt zu Ende? (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Wenn ihr jetzt in meinen Kopf hättet gucken können. Der ganze Ärger und so. Also dass soll das Weltende sein. Für sowas brauch ich doch keine Trittsicherheit und festes Schuhwerk. Höchstens Kinder mit ADHS, die sollte man hier anleinen und nicht nur hier.

Hier steht ein Bild mit dem Titel: Nee, doch nicht, immer noch kein Weltende in Sicht (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Nee, doch nicht, immer noch kein Weltende in Sicht (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Das Dorf am Ende der Welt

Der Pfad wird wieder breiter, senkt sich wieder zur Nister und plötzlich stehe ich vor ein paar Fachwerkhäusern. Und hier ist wirklich die Welt zu Ende oder zumindest die Straße. Aber hier leben Menschen. Ist sicher schön ruhig hier, wenn abends die ganzen Stöckchenschlepper nicht mehr unterwegs, keine Flashmobmeute und keine Familien mit Kindern. Enttäuscht bin ich trotzdem. Das soll jetzt das Weltende gewesen sein? Aber was hilft das Grübeln. Ich werd am Montag beim WWS anrufen und denen mal gehörig Bescheid stoßen. Die Leute so zu verarschen.

Hier steht ein Bild mit dem Titel: 1929! Was soll mir diese Jahreszahl sagen: Weltende war schon? Foto: Hans-Joachim Schneider)

1929! Was soll mir diese Jahreszahl sagen: Weltende war schon? (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Bei den ersten Häusern von Alhausen geht es wieder links in die Büsche. Ich weiß schon warum. Die wollen keinen Stöckchenschlepper im Dorf. Hast Du das mal erlebt, wenn so eine ganze Horde hinter Dir her ist. Kratz, kratz, kratz.

Hier steht ein Bild mit dem Titel: Da geht es jetzt in die grüne Hölle am Westerwaldsteig (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Da geht es jetzt in die grüne Hölle am Westerwaldsteig. Hölle  (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Endlich am Weltende

Da verdrücke ich mich lieber in die Büsche. Und da geht es dann wieder über eine Brücke. Die wievielte jetzt eigentlich? Und dann am anderen Ende nach rechts. Und da schon wieder ein Schild: Weltendepfad! Hoppla, hab ich mich so vertan? Und jetzt geht es aber richtig los. Steil bergauf, auf schmalem Pfad. Ich komm ins Keuchen. Aber nur kurz, denn ich bin ja fit wie ein Turnschuh. Würde zumindest Bruno sagen.

Hier steht ein Bild mit dem Ttiel: Und noch ne Brücke über die Nister (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Und noch ne Brücke über die Nister (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Ne, die Strecke, die jetzt kommt, hat es wirklich in sich. Steil, schmal, teilweise abschüssig, teilweise schon abgerutscht, und das am krassen Hang, rechts geht’s mindestens 20 Meter runter. Seilsicherung, Felsen, Stolperfallen, noch schmalere Wege. Gott sei Dank ist es trocken. Wenn es hier feucht wär, nicht auszudenken. Wie kann man harmlosen Wanderern so was zumuten!?

Hier steht ein Bild mit dem Titel: Krass, endlich auf dem Weltendepfad (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Krass, endlich auf dem Weltendepfad (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Immerhin, hier mussten früher die Kinder von Ich-weiß-nicht-wo zur Schule gehen. Jeden Tach. Und wieder zurück. Respekt. Sogar im Winter. Zwischendurch geht es mal wieder runter ans Ufer, dann wieder hoch. An einem alten Stolleneingang, der unter Wasser steht, werd ich neugierig. Aber ich hab meine Taschenlampe vergessen.

Hier steht ein Bild mit dem Titel: Der Flashmob naht. Ich verdrück mich in die Büsche (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Der Flashmob naht. Ich verdrück mich in die Büsche (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Der Flashmob holt mich ein

Und kaum fange ich an, das zu bedauern, überholt mich der Flashmob. Einige sehen ganz schön fertig aus. Haben wohl nicht mit so einem Weltende gerechnet. Haben sich das wohl einfacher vorgestellt. Aber Weltende ist nie einfach. Hab ich ja selbst gesehen. Die Meute ist auch schon ganz schön auseinandergezogen. Ich klemm mich da lieber nicht dazwischen. Sonst denken die noch, ich würde dazu gehören.

Hier steht ein Bild mit dem Titel: Wird ganz schön eng am Weltende. Wenn da jetzt einer entgegenkommt, der keine Lust mehr hat auf Weltende (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Wird ganz schön eng am Weltende. Wenn da jetzt einer entgegenkommt, der keine Lust mehr hat auf Weltende (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Als die letzte an mir vorbeiläuft, hab ich auf der Zunge, ob sie die Nachhut bildet. Aber ich lasse es lieber. So rot wie die im Gesicht ist, ist die schon wütend genug. Noch einmal geht es bergauf, die »Nachhut« macht von allem Fotos. So ein Flashmob muss ja auch dokumentiert werden.

Stau am Weltende

Als sie alle vorbei sind, mach ich mich auch wieder auf den Pfad. An einer kleinen Brücke über ein schmales Bächlein kommt es wieder zum Stau. Als ich nach links auf eine Bank schaue, traue ich meinen Augen nicht: Da sitzt die Familie, die ich lange vorher überholt habe. Wie kann das sein? It’s magic!?

Hier steht ein Bild mit dem Titel: Nicht nur enmal wird das so eng (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Nicht nur enmal wird das so eng (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Da ich an überfüllten Plätzen nicht sein mag, guck ich dass ich der weiter dem Weltende entgegenlaufe. Wieder geht es steil, teilweise sind die Serpentinen im Hang nicht zu erkennen, ich also querfeldein hoch. Und oben sitzen dann die Leute vom … Na, Du weißt schon. Ich schnell vorbei, und dann auf einmal merke ich, die Markierungen, denen ich folge, sind gar keine WWS-Markierungen mehr, sondern nur noch Zuweg-Markierungen. Ich also zurück zu den Leuten von der Wandergruppe und frage freundlich, ob sie den WWS gesehen haben. Und die sind so freundlich und antworten mir sogar.

Und jetzt raus aus der Klamm

Ja, der ist unten an der Brücke über den schmalen Bach nach links abgebogen. Ich also zurück bis zur Brücke und dann dort den schmalen Einschnitt hoch. Es geht steil bergauf, schließlich an der Hangschulter lang, wo es noch einmal schöne Blicke auf das Dorf am Weltende zu sehen gibt. Dann raus aus dem Wald, über die Wiese, rüber über die Straße und auf der anderen Seite wieder runter durch die Wiesen ins Tal. Im Tal nach links, wieder bergauf (ich wusste gar nicht, dass die im Westerwald soviel Berg- und Tal haben).

Hier steht ein Bild mit dem Titel: Aus dem Tal wieder rauf auf die Höhe (ich verkneif mir das jetz mal mit: Oh, du schöner Westerwald ... (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Aus dem Tal wieder rauf auf die Höhe (ich verkneif mir das jetz mal mit: Oh, du schöner Westerwald … (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Oben über die Straße, rechts, kurz vor Racksen links, gleich wieder rechts, links, rechts und schon bin ich wieder im Wald.

Hier steht ein Bild mit dem Titel: Und schwups, bin ich schon wieder drin im Wald (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Und schwups, bin ich schon wieder drin im Wald (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Und dann? Natürlich gleich wieder rechts, im Wald den Berg runter, am Ende dann links den Berg wieder hoch. Jetzt reicht es aber langsam. Und tatsächlich aus dem Wald raus und ich stehe Marienthal. An der Einfahrt zum Kloster, das gar kein Kloster mehr ist (macht sich aber besser, das wissen die auch im Ahrtal), dann der Hinweis: Haltepunkt Marienthal 0,6 km.

Ihr werdet es euch schon denken können: Es geht wieder den Berg hoch und in der Kurve dann auf einmal rechts in den Wald.

Hier steht ein Bild mit dem Titel: Und gleich kommt Rotkäppchen um die Ecke (Foto: Hans-joachim Schneider)

Und gleich kommt Rotkäppchen um die Ecke (Foto: Hans-joachim Schneider)

Ich glaub das nicht. Das ist tatsächlich der Zugang zum ÖPNV: ein Pfad mitten durch den Wald, ich rechne fest damit, dass mir gleich Rotkäppchen über den Weg läuft.

Nach drei Minuten Abstieg dann der Haltepunkt. Aber guck mal, wenn du das nicht glaubst: Sieh selbst!

Hier steht ein Bild mit dem Titel: Der Hauptbahnhof von Marienthal, echt jetzt (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Der »Hauptbahnhof« von Marienthal, echt jetzt (Foto: Hans-Joachim Schneider)

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2 Kommentare

  1. Toller Artikel, deine Bilder sehen wirklich sehr schön aus.
    Ich denke ich werde diesen Ort auch mal besuchen und meine neuen Wanderschuhe dort einlaufen.

    Wünsche dir weiterhin viel Spaß!

  2. Tja, soviel wohl zum Weltende 😉 Aber immerhin konntest du dem Flashmob final noch entkommen!
    Danke für den unterhaltsamen Artikel! Der Mike

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