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AhrSteig blau in 2 Etappen: Tag 2

Der AhrSteig blau bei Aremberg

Mein zweiter Tag auf dem AhrSteig blau

Ihr erinnert euch? Ich will versuchen, den kompletten AhrSteig blau in zwei Etappen zu bewältigen. Am ersten Tag wanderte ich von Blankenheim bis nach Eichenbach. Heute steht der Rest der Tour an: Von Eichenbach bis Kreuzberg. Das ist noch einmal ein wenig mehr als am Vortag und da war ich abends schon ziemlich erschöpft. Was wird also der neue Tag bringen?

Der Tag beginnt mit einem ausgiebigen Frühstück

Gestern bin ich erschöpft und müde in Eichenbach untergekommen. Mein Schlaf war tief und fest. Am heutigen Morgen bin ich schon früh auf den Beinen. Frühstück gibt es morgens erst ab 9 Uhr, auf Wunsch aber auch früher. Der Frühstücksraum – es handelt sich um den kleineren der beiden Räume, in denen am Abend vorher gespeist wurde, ist fast leer. Außer mir sind nur zwei junge Männer beim Frühstücken. Wie ich später feststelle, sind es zwei Holländer, die sich an diesem Sonntag noch an den Berg- und Talfahrten des Ahrgebirges mit ihren Fahrrädern abarbeiten wollen. Ich würde nicht mal mehr den ersten Anstieg schaffen. Stattdessen plaudere ich mit dem Gastgeber fast eine Stunde über Wanderer, Hotels und Touristiker im Ahrtal. Dann muss ich aber auch los.

Abweichung vom Plan

Ein paar Schritte, an der Kapelle vorbei; für ein kurzes Stück folge ich nicht dem AhrSteig, sondern dem örtlichen Vorschlag, dem auf der Höhe verlaufenden Verbindungsweg für ein paar Hundert Meter und genieße die Aussicht auf die herbstlich gefärbten Hänge des Dreisbachtals.

Sonne, blauer Himmel, Herbst, Tal, Wiese und buntgefärbte Bäume am Ahrsteig blau

Vom örtlichen Verbindungsweg aus genieße ich den Zauber der Herbstfarben an den Hängen oberhalb des Dreisbachtals (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Auf der Anhöhe stoße ich dann wieder auf den AhrSteig. Gleich geht es in den Wald hinein. Auch hier verzaubert das Licht. Schade, dass meine Kamera bei diesem Kontrastumfang einfach kapituliert. Ich muss mir sobald wie möglich wieder eine anständige Kamera anschaffen. Dieser Gedanke setzt sich allmählich fest.

Herbst, Wald, bunt, licht, Sonne, Lichtreflexe, AhrSteig blau

Ein Foto vermag nur wenig von den Lichtspielen wiederzugeben, die mich im herbstlichen Wald faszinieren  (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Begegnung der dritten Art

Im Wald geht es nun in Serpentinen talwärts. Kurz vor einer scharfen Linksbiegung des Weges öffnet sich links der Blick auf Fuchshofen. Von hier oben sieht es aus wie ein kleines Bergdorf. Weiter geht es bergab. Kurz vor Straße nach Wershofen treffe ich noch ein junges Paar im Wald. Ihrem merkwürdigen Verhalten nach zu urteilen gehören sie zu der noch jungen Rasse der Geo-Cacher. Auf meine diesbezügliche Nachfrage bestätigen Sie mir meinen Verdacht.

Wasser, Fluss, Ahr, Büsche, Dunst, Lichtreflexe auf der Ahr bei der Überschreitung

Sonnenreflexe auf der ruhig dahinfließenden Ahr bei Streitenau (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Bei Streitenau führt mich die AhrSteig-Markierung über die Straße und  gleich auch über die Ahr. Hinter Streitenau geht es gleich wieder in den Wald und nun kommt das Stück des AhrSteigs, das früher einmal meine Lieblingsetappe war.

Wiese, Wiesenweg, Dunst, Reif, Herbst am Ahrsteig blau kurz vor Schuld

Zwischendurch geht es auch mal kurz aus dem Wald hinaus (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Die Schulder Hardt, eine der schönsten Etappen am geamten AhrSteig

Die Passage meist auf halber Höhe der Schulder Hardt ist über ein langes Wegstück ein Steig par excellence. Der enge Pfad windet sich am steilen Hang entlang durch den Buchenwald, hin und wieder führt er aber auch zu leicht ausgesetzten Kuppen, einen Ausblick auf das vor mir liegende Zwischenziel Schuld ermöglichen. Leider ist diese Passage auch irgendwann zu Ende. Ich verlasse den Wald, laufe jetzt am Waldrand weiter. Noch einmal eine spektakuläre Wegpassage, wo links der Hang fast senkrecht abfällt und schon bin ich in Schuld.

Weg, Felsen, Infotafel am AhrSteig Blau

Kurz vor Schuld erfahre ich noch auf einer Infotafel das Wichtigste zur geologischen Geschichte des Ahrtals und der hier aufragenden Felswände (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Einkehr in Schuld

Es ist kurz nach Mittag. Zeit für Einkehr. Angesichts der strahlenden Sonne zieht es mich in den kleine Biergarten des Hotels zur Linde. Allerdings ist es hier recht laut. Krakeelig laute Schunkelmusik beschallt die paar Tische, wo sich eine Gruppe junger Männer scheinbar schon etwas mehr als ein Bier gegönnt hat. Ich ziehe um nach drinnen. Die Wirtin weiß sofort weshalb. »Ist es Ihnen zu laut draußen?« Ich bejahe. Sie erzählt mir dann, dass die muntere Schar auf dem Weg nach Insul ist, wo gerade Oktoberfest gefeiert wird.

Nach der Pause setze ich meinen Weg fort. Er führt zunächst unten am Ahrufer entlang durch das Dorf, dann vorbei an drei, vier Wochenendhäusern und dann rechts wieder in ruhigere Gefilde. Eine Bank lädt ein zur Rast, aber die habe ich ja hinter mir. Gleich darauf geht es links dann auf schmalem Pfad recht knackig bergan. Rechter Hand geht es steil in einen kleinen Einschnitt, ich bleibe stets oberhalb, bis es schließlich über eine kleine Brücke nach rechts auf die andere Seite geht. Weiter bergan durch den Wald, über ein, zwei Weggabelung, dann tritt der AhrSteig aus dem Wald heraus und führt nun fast wie ein Bergpfad durch das felsige Gelände oberhalb von Schuld bis zur Spicher Lay.

Schuld zum zweiten

Hinunter wieder zum Ortsrand von Schuld, wieder hinein in den Wald und dann ohne größe Höhenunterschiede Richtung Insul. Das bunte Herbstlaub tanz um mich herum, fällt langsam wirbelnd zu Boden. Kurz vor Insul geht es in Serpentinen bergab zum Ahrufer, an diesem dann entlang nach Insul hinein. Schon von weitem hört man die Gaudi vom Oktoberfest. Rundum sind fast alle Parkplätze belegt. Ganze Gruppen in Dirndl-Klamotten – neu eingekleidet versteht sich – sind unterwegs.

Was bringt vernunftbegabte Rheinländer eigentlich dazu, sich so unpassend aufzumotzen. Was hat das Rheinland mit dem bayerischen Oktoberfest zu tun? Und die ganze Staffage nur, um sich tüchtig einen hinter die Binde zu kippen. Das kann man doch auch ohne Lederhosen und Dirndl. Mir fällt Köln ein: Dort feiert man jetzt einen Sommerkarneval. Scheinbar können die Menschen nicht genug an Party bekommen. Jede Gelegenheit wird genutzt, um Party zu machen. Und wenn es keine Gelegenheit gibt, dann werden Gelegenheit importiert oder erfunden. Man feiert, sucht ständig neue Events um zu feiern. Eigentlich ein Armutszeugnis. Beweis dafür, dass der innere Bezug zum Feierlichen schon längst verloren gegangen ist. Die Sensibilität für den eigentlichen Gehalt eines Feiertages ist verschwunden. Der Mensch feiert, weil er nicht mehr in der Lage ist, sich feierlich zu fühlen.

Weite, Blauer Himmel, Panorama, Wälder, Wiesen am AhrSteig blau

Befreit schweift der Blick von der Dümpelhardt über das gesamte Ahrgebirge (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Dafür lebt ein Wanderer: Krönung auf der Dümpelhardt

In stetem Anstieg geht es hinauf auf die Dümpelhardt. Ich merke die Schwere in meinen Knochen. Aber die Aussicht von hier oben ist unvergleichlich. Rundum dehnt sich das Ahrgebirge. Das ist eine Feier für die Seele. Es sind immer nur wenige Schritte nötig, dann kann man nach und nach das Panorama in alle Himmelsrichtungen genießen. Hier öffnet sich das Herz.

Weite, Blauer Himmel, Panorama, Hügel, Wiesen am AhrSteig blau

Das ist es, was des Wanderers Herz sucht: Weite, Überblick, Natur pur (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Aber ich will weiter, bin ja noch nicht am Ziel. Ein langer Abstieg über steile Wiesen- und Waldwege, zuletzt über einen ncht wenig steilen schmalen, Waldpfad bringt mich hinab nach Liers. Von dort geht es dann gleich wieder bergan. Nur der erste Anstieg ist steil und kräftezehrend, aber er ist nach hundert Metern schon zu Ende. Es wird vorerst der letzte schroffe Anstieg gewesen sein.

Mit weit weniger Anstieg geht es jetzt Richtung Lind. Der Weg ist ein wenig zu gut befestigt, hat nur noch wenig natürlichen Charakter. Meist unter offenem Himmel geht es stetig Richung Lind. Die nächste Ansiedlung ist aber noch weit weg. Dass es trotzdem nicht einsam ist, dafür sorgt eine Freizeitsportgruppe, die auf halber Strecke ein Schwätzchen hält. Körperlich bin ich ziemlich am Ende. In diesem Zustand bin ich dann auch nicht mehr freundlich. Mein Wasser ist schon seit geraumer Zeit alle. Ich hoffe, dsas ich in Lind irgendwo einkehren kann. Aber noch bin ich nicht da.

Baum, Bäume, Logo AhrSteig blau

Das Logo des AhrSteigs blau – sollte man unterwegs ja mal gesehen haben, sonst ist man falsch (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Mit letzter Kraft in den letzten Anstieg

Der Wald schließt sich um mich herum, aber nur kurz. Dann geht es kurz bergab und schon aus dem Wald heraus. Wegen Forstarbeiten muss ich einen Umweg machen. Jetzt kommt ein letzter langer Anstieg aus dem Tal hinauf nach Lind. Ich lasse die Linder Höhe links liegen und begebe mich schnurstracks ins Dorf. Aber es gibt keine Kneipe am Weg. Ich bin jetzt in einem Zustand, in dem ich nur noch ein Bein vor das andere setzen kann. Bleibe ich stehen, wird mir schwindlig. Aber noch bin ich nicht in Kreuzberg. Würde mich jetzt einer fragen, ob er mich mitnehmen kann, würde ich vermutlich nicht nein sagen. Aber aktiv angehen will ich das nicht.

Es geht auf einem stark ausgewaschenen Weg aus Lind heraus. Nachdem ich die Landstraße von Ahrbrück nach Lind kurz tangiert habe, geht es noch einmal – wenn auch nur wenige Meter – ein Stück bergan. Dann taucht der Weg wieder in den Wald ein. Unangenehme Erinnerungen an den ersten AhrSteig-Erlebnistag werden hier wach. Das macht meine Laune nicht besser. Der Forstweg zieht einen weiten Rechtbogen durch den Wald. Irgendwann geht es dann links vom Weg ab, ein allerletzter steiler Anstieg, auch wieder nur wenige Meter, dann beginnt der lange, lange Abstieg nach Kreuzberg.

Zum Glück geht es nur noch abwärts

Meine Füße fühlen sich wie versteinert an, die Sehnen in beiden Schienbeinen schmerzen. Der Ahrsteig läuft – kaum habe ich Kreuzberg erreicht – direkt am hiesigen Bahnhof vorbei. Kurz blitzt der Gedanke durch meinen Kopf, hier einzusteigen und nach Hause zu fahren. Aber ich habe ja noch einen Tag frei. Ich weiß nicht, ob ich am nächsten Tag noch eine Tour schaffe und wenn ja, welche ich dann am besten angehe.

Erlösung in Kreuzberg

Aber ich beschließe, doch hier zu bleiben. Ich laufe am Landgasthof Weihs vorbei, meine Erfahrunge hier sind nicht die besten. Ich laufe bis zum Hotel Wurstkessel, leider sind dort keine Zimmer frei. Also zurück zum Landgasthof. Dort gibt es noch Zimmer. Der Juniorchef ist unfreundlich wie eh und je. Wieso hierher überhaupt noch Gäste kommen?

Später im Gespräch mit anderen Gästen erfahre ich, dass diese es ähnlich empfinden. Aber zunächst mal habe ich ein Zimmer mit Dusche. Aber als allererstes schütte ich mir gleich mal zwei große Gläser Radler in mich hinein. Dann hinauf aufs Zimmer, die Klamotten runter und unter die Dusche. Als mein Shampoo runterfällt und ich in die Knie gehe, um es aufzuheben, komme ich fast nicht mehr hoch. Aller schmerzt,  so schlimm war es nicht mal nach den 24 Stunden von Bernkastel-Kues.

Himmel, Hügel. Bäume, Herbst, Herbstfarben, bunt: ein malerischer Ausklang für meine Tour auf dem AhrSteig blau.

Nein, am dritten Tag keine anstrengende Tour mehr. Ich lasse es langsam auslaufen (Foto: Hans-Joachim Schneider)

 

Am nächsten Morgen: No miles and more

Am nächsten Morgen verzichte ich auf eine längere Tour, laufe ein Stück über den Ahrtalweg über Altenahr bis Mayschoß. Dort steige ich in den Zug und fahre bis Ahrweiler. Kurz nach Mittag habe ich dort noch eine Verabredung mit Michael vom Hotel Central . Und nach einem intensiven Gedankenaustausch über Touristik und Wandern im Ahrtal fahre ich dann rechtschaffen müde mit dem Zug nach Hause. Dass ich für eine Distanz von knapp 70 Kilometern (Luftlinie) mit der Bahn über 4 Stunden brauche, ist ein Hinweis für die Verbindungsqualität des deutschen ÖPNV.

Himmel, Hügel. Bäume, Herbst, Herbstfarben, bunt: ein malerischer Ausklang für meine Tour auf dem AhrSteig blau.

Noch einmal in Farben schwelgen, sich hingeben an den Zauber des Herbstes: Ahrtal bei Mayschoß (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Alle Infos zum AhrSteig blau (aber auch zum gesamten AhrSteig) findest Du unter ahrsteig.de

Die Website meiner Unterkunft in Eichenbach, die ich euch wärmstens empfehlen kann, lautet wiesengrund-eifel.de/

Ach ja, da war ja noch die freundliche Wirtin im Hotel-Restaurant zur Linde in Schuld. Dieses eignet sich hervorragend für die große Erholungspause gegen Mittag. Weitergehende Infos auch zum Hotel findest Du hier: Hotel-Restaurant-Café Zur Linde!

Und falls Du den Bericht über den ersten Tag noch nicht gelesen hast, kannst Du das hier nachholen: https://www.anders-wandern.de/ahrsteig-blau-in-2-etappen/

 

 

2 Kommentare

  1. Lieber Hans-Joachim, mir gefallen Deine Schilderungen wie immer sehr gut. Man meint glatt man wär mitgegangen. Schönen Dank für Deinen Bericht 😉 <3

    • Hans Joachim Schneider sagt

      Liebe Leni, danke für Deine unterstützenden Worte. Ich freue mich über jeden Kommentar, denn wenn ich schreibe, sitze ich an meinem Rechner und weiß gar nicht, wie das Geschriebene ankommt. Deshalb sind solchen Nachrichten wie die von Dir ein Ansporn für mich, so weiterzuschreiben wie ich es tue. Nochmals Danke. Schöne Grüße, Joachim

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