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Nach der Eröffnung der Geyerlay-Hängebrücke: Adrenalin langsam ausschleichen!

Hier steht ein Foto mit dem Titel: Ein Blick in die schwindelerregende Tiefe (Foto: Britta Verhaag)

Geierlay-Hängebrücke und Skywalk: Was will der Wanderer mehr?

Vom Nervenkitzel und Abgründen

Die Eröffnung der Geierlay-Hängebrücke war geschafft. Sie ist in einem Extra-Artikel beschrieben. Was kann man nach so einer Adrenalin-Überdosis im Hunsrück noch anstellen? Nun für den nächsten Tag ist noch eine Vitaltour bei Langenlonsheim angesagt. Aber auch der Samstag ist noch jung.

Hier steht ein Foto mit dem Titel: Ein Blick in die schwindelerregende Tiefe (Foto: Britta Verhaag)

Ein Blick in die schwindelerregende Tiefe (Foto: Britta Verhaag)

Skywalk? Ein Skywalk! Was hält uns noch?

Meine Schwester (die beste Schwester der Welt) erwähnt fast beiläufig, dass wir ja auf der Fahrt von Kastellaun runter zur Nahe in Hochstetten-Dhaun vorbeikommen. Da könnten wir uns doch den dortigen Skywalt anschauen. Skywalk? Das erinnert an faszinierende Glasbrücken über schwindelerregenden Abgründen. USA und China fallen mir ein. Mir ist, als hätte ich auch schon vom Skywalk an der Nahe gehört oder gelesen.

Die Fahrt quer durch den Hunsrück ist traumhaft, genau wie das Wetter. Die kurvenreichen Landstraßen wären auch wunderbar mit dem Motorrad zu fahren. Aber jetzt haben wir halt einen VW-Bus unterm Hintern, das ist fast genauso schön. Ich liebe diese Autos. Noch ist alles grün, die ersten Farben zeigen sich aber schon im Laub der Bäume und des Weines.

Hier steht ein Foto mit dem Titel: Summertime – die ist nun vorbei, aber das Leben ist noch immer easy (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Summertime – die ist nun vorbei, aber das Leben ist noch immer leicht (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Wir erreichen das Nahetal, sind schnell auch in Hochstetten-Dhaun. Ich halte Ausschau nach einem Hinweis zum Skywalk. Fehlanzeige. Bin ich vielleicht falsch? Oder bin ich von meiner Schwester veräppelt worden? An der ersten Kreuzung im Ort biege ich ab, nutze aber die Gelegenheit, einen entgegenkommenden Autofahrer nach dem Skywalk zu fragen. Ich muss zurück zur Hauptstraße, ein kleines Stück weiter, dann rechts hoch. Und tatsächlich, hier an der Kreuzung dann auch das erste Schild. Es geht aus dem Ort heraus, dann ein, zwei schöne Serpentinen und wir befinden uns am ausgewiesenen Parkplatz, der am Eingang zum Ortsteil St. Johannisberg liegt. Die Einfahrt in den Ort ist nicht erlaubt. Weshalb , das werde ich später verstehen.

Hier steht ein Foto mit dem Titel: Sonniges Herbstwochenende in St. Johannisberg (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Sonniges Herbstwochenende in St. Johannisberg (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Also zu Fuß durch das kleine Dorf, das am Hang oberhalb der Nahe liegt. Dafür, dass es hier einen Skywalk geben soll, ist es verhältnismäßig ruhig. Obwohl, der Parkplatz ist voll. Die Sonne, die Stille, das dörfliche Ambiente, das alles fühlt sich wie ein Spätsommertag an.

No glass, no risk, no fun!

Und plötzlich liegt er vor uns – der Skywalk. Aber was ist das? Kein Glasboden? Also kein Nervenkitzel? Auf den Glasboden hat man aus Kostengründen verzichtet, lese ich später irgendwo im Internet, stattdessen steht man auf deinem stabilen Gitterrostboden, der sich sieben Meter über die Hangkante eines ehemaligen Steinbruchs hinaus ins Freie schiebt. Siebzig Meter sollen es bis ganz unten, bis zum Höhenniveau der Nahe, sein, mir kommt es weniger vor. Das liegt auch daran, dass die Wand des Steinbruchs nicht senkrecht abstürzt, so hat man unter der Plattform an der äußersten Kante vielleicht eine Fallhöhe von 30 oder 40 Metern (grob geschätzt). Die ganze Plattform ist ca. 65 qm groß. Bei der Geierlay-Hängebrücke am Morgen wusste ich, dass auf jeder Seite sechs Anker je 25 Meter tief im Fels verankert sind. Hier vom Skywalk weiß ich nichts.

Hier steht ein Foto mit dem Titel: Die Kamerafrau beherrscht die Kunst der Inszenierung (Foto: Britta Verhaag)

Die Kamerafrau beherrscht die Kunst der Inszenierung (Foto: Britta Verhaag)

Aber das schmälert meine Angst nicht, denn die habe ich erst gar nicht. Anders die Frau an meiner Seite. Dort wo die Hangkante abbricht, also dort wo man keinen festen Boden mehr unter dem Gitterrostboden hat, zögert sie, mehrfach. Dabei war sie morgens so mutig auf der Hängeseilbrücke. Ich locke sie, rede gut zu. Sie sammelt sich, schließt die Augen, geht los.

Hier steht ein Foto mit dem Titel: Auch schön, der Autor – im Gegenlicht (Foto: Britta Verhaag)

Auch schön, der Autor – im Gegenlicht (Foto: Britta Verhaag)

Sie wird doch nicht? Doch tut sie, sie geht auf den erstbesten Mann zu, der dort am Geländer steht und klammert sich für einen Moment an ihm fest. Der versteht das wohl nicht falsch. Er gehört zu einer Gruppe von Männern, die alle das gleiche T-Shirt tragen. Sie alle kommen aus der Ecke von Kastellaun, wollen sich aber die das Spektakel Hängeseilbrücke erst anschauen, wenn der erste Rummel vorbei ist.

Hier steht ein Bild mit dem Titel: Guck mal, freihändig – jetzt kann sie ja wieder frech sein (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Guck mal, freihändig – jetzt kann sie ja wieder frech sein (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Weil ich ein Mädchen bin …

Einem von ihnen geht es wie der Frau an meiner Seite. Er traut sich nicht, immer noch nicht. Woraus sie dann das Recht ableitet, ihn lauthals als »Mädchen« zu titulieren. Ja, so schnell werden aus Angsthasten Großmäuler.

Idylle direkt am Wegrand

Die Aussicht ist ein wenig diesig, es hält uns nicht lange auf der Plattform. Auf dem Rückweg durch das Örtchen genießen wir noch dessen ruhige Schönheit. Die Stiftskirche lockt uns. Auf der Wiese hinter der Kirche herrscht fast eine Friedhofsruhe, dies aber im besten Sinne. Wir genießen diese Momente, kosten die Stille und den Frieden aus.

Hier steht ein Foto mit dem Titel: Ein Platz um Ruhe zu atmen, zu entspannen, runterzukommen, Frieden zu finden (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Ein Platz um Ruhe zu atmen, zu entspannen, runterzukommen, Frieden zu finden (Foto: Hans-Joachim Schneider)

Diese Ruhe sehen wohl einige Dorfbewohner gefährdet. An einer ehemaligen Stalltür hängt jedenfalls ein Schild, das darauf hinweist, dass nicht alle Dorfbewohner mit dem Skywalk glücklich sind, weil sie den Rummel fürchten. Ich kann das gut nachvollziehen. Ich frage mich, was das Örtchen selbst von dem Tourismus hat, der durch den Skywalk angezogen wird.

Hier steht ein Foto mit dem Titel: Alles, wirklich alles strahlt hier Ruhe und Frieden aus (Foto: Britta Verhaag)

Alles, wirklich alles strahlt hier Ruhe und Frieden aus (Foto: Britta Verhaag)

Next Stop is Bretzenheim …

Wir fahren los Richtung Bretzenheim. Die Strecke durchs Nahetal kommt mir noch bekannt vor aus meiner Jugendzeit im Hunsrück. Aber es hat sich auch viel verändert. An Bad Kreuznach vorbei, schließlich Ankunft in Bretzenheim. Einchecken im reservierten Hotel. Nicht unfreundlich, aber richtig freundlich geht anders.

Schnell die Sachen aufs Zimmer bringen, dieses ist ganz in Ordnung. Allerdings: WLAN hat es hier nicht. Der Ort selbst wirkt ziemlich tot. Im einzigen offenen Restaurant von Bretzenheim gibt es keinen Platz mehr, höchstens draußen, aber das ist uns zu kühl, denn der Himmel hat sich zugezogen, die Sonne ist verschwunden. Neuer Plan: Auf nach Bad Kreuznach. Dort erst einmal ein kleiner Spaziergang entlang der Nahe, dann in die Salinen, eine Viertelstunde. Es ist fast wie in der Kirche. Nur der Pfarrer fehlt, der predigt. Dafür tuschelt die Dame vor uns die ganze Zeit.

Zum Abendessen schlage ich die Nahe.Wein.Vinothek vor. Dank der Pressereise Anfang September kann ich so tun, als wär ich hier zu Hause. Die Vinothek ist fast leer, der Sommelier ist aufgekratzt. Aber wir finden nicht den richtigen Wein, es passt nicht heute Abend.

Hier steht ein Bild mit dem Titel: Nicht ganz so zufrieden – aber das muss er mit sich selbst ausmachen (Foto: Britta Verhaag)

Nicht ganz so zufrieden – aber das muss er mit sich selbst ausmachen (Foto: Britta Verhaag)

Also weiter. Wir landen schließlich beim Italiener in der Fußgängerzone. Auch hier ist viel los, aber draußen hat er wenigstens Heizschirme. Die Bedienung ist freundlich, bei den Preisen (fast wie in Düsseldorf) muss das auch drin sein. Am Ende sind wir zufrieden, meine Stimmung allerdings leicht getrübt.

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